E-Zigaretten und Liquids sind ausschließlich für Personen ab 18 Jahren bestimmt. Nikotin kann abhängig machen.
Geprüft von Oliver Prust · Inhaber MaxVapor.de, seit 2012 auf E-Zigaretten spezialisiert · Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
Kurz & Knapp: Was die Studie zeigt
- Veröffentlichung: Blank und Kollegen, Nicotine & Tobacco Research, online seit 22. Juli 2026
- Datenbasis: Neuauswertung von acht eigenen Laborstudien zum Zugverhalten
- Kernbotschaft: Es gibt kein Normmaß fürs Dampfen – die Unterschiede zwischen Personen sind größer als jeder Mittelwert
- Befund: Einzelzüge und kurze Serien aus zwei bis fünf Zügen stellen in diesen Daten 67 Prozent aller Züge
- Definition: Als Serie zählen Züge mit weniger als 60 Sekunden Abstand zueinander
- Konsequenz: Der im Labor übliche Block aus zehn Zügen am Stück bildet echtes Dampfen nicht ab
- Selbst eingeräumt: standardisiertes, nicht repräsentatives Gerät und eine Abstinenzvorgabe, die sich nicht überprüfen ließ
- Übertragbarkeit: US-Daten mit bis zu 59 mg/ml Nikotin – in der EU sind höchstens 20 mg/ml erlaubt
- Nicht gemessen: Zugdauer, Geräteleistung, Widerstand und Nikotindosierung bleiben in der Auswertung außen vor
- Betroffen: Messwerte zu Nikotinaufnahme, Aerosolmenge und Schadstoffbildung beruhen häufig auf diesem Protokoll
- Für die Praxis: Ihr persönliches Zugmuster hängt an Zugtechnik und Nikotinstärke
Wenn Sie eine Schlagzeile lesen, in der steht, wie viel Nikotin eine E-Zigarette abgibt oder wie viel Formaldehyd dabei entsteht, dann stecken hinter dieser Zahl fast immer zehn Züge. Zehn Züge am Stück, meist mit einer festen Pause von 30 Sekunden dazwischen, abgenommen in einem Labor unter Aufsicht. Dieses Protokoll ist seit Jahren der stille Standard der Tabakforschung, weil es Messungen vergleichbar macht. Eine im Juli 2026 im Fachjournal Nicotine & Tobacco Research veröffentlichte Arbeit einer US-Forschungsgruppe hat nun nachgerechnet, ob Menschen überhaupt so dampfen. Das Ergebnis fällt klar aus: Sie tun es nicht. Vorweg das Wichtigste, damit kein falscher Eindruck entsteht: Aus dieser Arbeit lässt sich kein neuer Richtwert ableiten, an dem Sie Ihr eigenes Dampfen messen müssten.
Wie die Studie aufgebaut ist
Die Studie wertet acht abgeschlossene Laborstudien neu aus und prüft, wie Dampfer ihre Züge zeitlich gruppieren. Hinter der Arbeit steht ein Team um Melissa D. Blank von der West Virginia University, gemeinsam mit Nicholas Felicione (University at Buffalo), Alison Breland und Caroline Cobb (beide Virginia Commonwealth University) sowie Andrea R. Milstred vom TSET Health Promotion Research Center in Oklahoma City. Diese Gruppen forschen seit über einem Jahrzehnt zum Zugverhalten bei E-Zigaretten und haben in dieser Zeit einen beträchtlichen Datenschatz angesammelt. Statt eine neue Erhebung zu starten, haben die Autoren acht ihrer eigenen, bereits abgeschlossenen Laborstudien noch einmal aus dem Archiv geholt und mit einer einheitlichen Methode neu ausgewertet. Das ist ein pragmatischer Weg, um eine Frage zu beantworten, die einzelne Studien für sich genommen nie beantworten können.
Die Definition einer Zugserie
Alles hängt an einer Definition. Die Forscher fassen alle Züge zu einer Serie zusammen, zwischen denen weniger als 60 Sekunden liegen. Nehmen Sie also drei Züge kurz hintereinander und legen danach zwei Minuten Pause ein, dann zählt das als eine Serie aus drei Zügen. Diese Serien wurden anschließend in vier Größenklassen sortiert: der Einzelzug, die kurze Serie aus zwei bis fünf Zügen, die mittlere Serie aus sechs bis zehn Zügen und die lange Serie mit mehr als zehn Zügen. Erst diese Einteilung macht den Vergleich mit dem Laborprotokoll möglich, denn ein Block aus zehn Zügen am Stück fällt genau in die dritte Klasse.
Was zusätzlich geprüft wurde
Ausgewertet wurden für jede Serienklasse die durchschnittliche Häufigkeit pro Sitzung, die mittlere Zahl der Züge und der Anteil an allen Zügen einer Sitzung. Damit nicht ein einzelner Studienaufbau das Bild verzerrt, haben die Autoren zwei Stellschrauben gesondert betrachtet. Zum einen die Frage, ob die Teilnehmer vor der Sitzung eine Zeit lang auf ihre E-Zigarette verzichten mussten, denn eine erzwungene Pause könnte zu Beginn zu längeren Serien führen. Zum anderen die Länge des Dampf-Zeitfensters selbst, das je nach Studie unterschiedlich bemessen war. In beiden Fällen blieben die Muster nach Angabe der Autoren im Wesentlichen gleich.
Die Ergebnisse im Detail
Einzelzüge und kurze Serien aus zwei bis fünf Zügen sind das Normalmuster: In sieben der acht ausgewerteten Studien waren sie die häufigsten Formen überhaupt. Pro Sitzung kamen im Mittel gut neun Einzelzüge und knapp sechs kurze Serien zusammen, während mittlere und lange Serien im Durchschnitt seltener als einmal pro Sitzung auftauchten. Wer die Anteile an allen Zügen betrachtet, sieht dasselbe Bild aus einer anderen Richtung: Die kurzen Serien liefern mit gut 37 Prozent den größten Beitrag, gefolgt von den Einzelzügen mit knapp 29 Prozent. Die Autoren fassen beide Gruppen zusammen und kommen auf 67,0 Prozent aller Züge.
| Serienklasse | Definition | Ø Häufigkeit pro Sitzung | Anteil an allen Zügen |
|---|---|---|---|
| Einzelzug | 1 Zug | 9,02 (SD 7,55) | 28,55 % |
| Kurze Serie | 2 bis 5 Züge | 5,96 (SD 4,02) | 37,12 % |
| Mittlere Serie | 6 bis 10 Züge | 0,94 (SD 0,74) | 16,92 % |
| Lange Serie | mehr als 10 Züge | 0,49 (SD 0,44) | 17,41 % |
Auf zwei Zahlen in der Tabelle möchte ich Sie besonders hinweisen. Die erste ist die Standardabweichung bei den Einzelzügen: 7,55 bei einem Mittelwert von 9,02 bedeutet, dass sich die Teilnehmer stark voneinander unterscheiden. Manche nehmen über eine Sitzung hinweg fast ausschließlich Einzelzüge, andere kaum welche. Die zweite ist der scheinbare Widerspruch bei den langen Serien: Sie kommen im Mittel nur alle zwei Sitzungen einmal vor, steuern aber trotzdem über 17 Prozent aller Züge bei. Genau das liegt in der Natur einer langen Serie, denn wenn sie auftritt, bringt sie viele Züge auf einmal mit.
Diese Streuung passt zu dem, was uns Kunden im Beratungsgespräch seit Jahren schildern. Der eine greift alle 20 Minuten zum Gerät und nimmt einen einzigen Zug, der andere dampft konzentriert fünf Minuten am Stück und legt danach das Gerät stundenlang weg. Wie viele Züge dabei am Tag zusammenkommen, haben wir im Ratgeber zur Zugzahl im Vergleich zur Zigarette zusammengetragen. Die neue Auswertung ergänzt dieses Bild um die zeitliche Struktur, also darum, wie sich diese Züge über den Tag verteilen.
Warum der 10-Züge-Block am Alltag vorbeigeht
Der Block aus zehn Zügen misst ausgerechnet das Muster, das im Alltag am seltensten vorkommt. Das standardisierte Laborprotokoll sieht in aller Regel so aus: Der Teilnehmer nimmt zehn Züge, jeder Zug wird durch ein Signal ausgelöst, dazwischen liegen 30 Sekunden Pause. Danach folgt oft eine freie Phase, in der gedampft werden darf, wie man möchte. Der starre Block hat einen guten Grund, denn er hält die Zahl der Züge zwischen allen Teilnehmern und allen Geräten konstant und macht Blutproben, Herzfrequenzmessungen und Aerosolanalysen damit erst vergleichbar. Ohne diese Standardisierung wäre jede Messung ein Einzelfall, und die Forschung käme nicht voran.
Was diese Vergleichbarkeit kostet, lässt sich jetzt beziffern. Ein Block aus zehn Zügen fällt in die Kategorie der mittleren Serie, und genau diese Kategorie ist im echten Nutzungsverhalten die seltenste von allen. Weniger als eine mittlere Serie pro Sitzung, dazu ein Anteil von knapp 17 Prozent an allen Zügen: Das Labor misst also ausgerechnet das Muster, das im Alltag am wenigsten vorkommt. Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass der 10-Züge-Block naturalistisches Dampfen nicht abbildet.
Das Problem ist älter als die E-Zigarette
Wer sich länger mit dem Thema befasst, kennt dieses Muster aus der Tabakgeschichte, und dort ist es übel ausgegangen. Die Norm ISO 3308 legt seit Jahrzehnten fest, wie eine Abrauchmaschine Zigaretten abzurauchen hat: 35 Milliliter Zugvolumen, gezogen über zwei Sekunden, einmal pro Minute, mit glockenförmigem Zugverlauf. Auf dieser Maschine beruhen die Messverfahren für Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid, die in der EU bis heute vorgeschrieben sind – und damit auch die Werte, mit denen jahrzehntelang „leichte“ Zigaretten beworben wurden. Raucher konsumierten solche Produkte nachweislich anders, zogen tiefer und deckten Ventilationslöcher ab. Die EU-Tabakproduktrichtlinie hält in ihren Erwägungsgründen fest, dass sich diese Angaben auf Zigarettenpackungen als irreführend erwiesen haben, weil sie Verbraucher glauben ließen, bestimmte Zigaretten seien weniger schädlich als andere; auf der Packung stehen dürfen sie deshalb nicht mehr.
Diese Vorgeschichte erklärt, warum viele erfahrene Dampfer beim Stichwort „Züge“ sofort misstrauisch werden, und ich halte dieses Misstrauen für berechtigt. Eine Zahl aus einem standardisierten Verfahren wird schnell zur Marketingaussage, sobald sie auf eine Verpackung wandert. Genau das ist bei den Zugangaben auf Einweg-Geräten passiert. Die neue Auswertung taugt deshalb als Warnung vor Normzahlen, nicht als Lieferant einer neuen Normzahl.
Standard und Wirklichkeit im Vergleich
| Merkmal | Laborprotokoll | Beobachtetes Verhalten |
|---|---|---|
| Züge pro Block | 10 am Stück | meist 1 bis 5 |
| Abstand zwischen den Zügen | fest, meist 30 Sekunden | frei gewählt, stark schwankend |
| Auslöser für den Zug | Signal des Versuchsleiters | Verlangen, Gewohnheit, Situation |
| Häufigkeit dieses Musters | in jeder Sitzung | seltenste aller Serienklassen |
Wer verstehen will, warum die Verteilung der Züge überhaupt einen Unterschied macht, muss einen Blick in den Verdampfer werfen. Beim Dampfen erhitzt eine Wicklung Liquid an einem getränkten Watteträger, und zwischen zwei Zügen kühlt diese Wicklung ab, während Liquid nachfließt. Das ist in unserem Ratgeber zur Funktionsweise einer E-Zigarette Schritt für Schritt beschrieben. Zehn Züge in kurzer Folge halten die Wicklung dauerhaft warm und lassen der Watte wenig Zeit zum Nachfüllen, ein Einzelzug alle fünf Minuten dagegen startet jedes Mal bei Raumtemperatur. Thermisch sind das zwei verschiedene Situationen, und genau daran hängen die Messwerte.
Was das für Messwerte und Regulierung bedeutet
Die Studie sagt nichts darüber aus, ob Dampfen mehr oder weniger schädlich ist als bisher angenommen. Sie sagt etwas über die Messmethode, und das ist eine andere Ebene. Wer Zahlen zu Nikotinaufnahme, Aerosolmenge oder Schadstoffbildung liest, sollte wissen, unter welchem Zugmuster sie entstanden sind, weil dieses Muster das Ergebnis mitbestimmt. Eine Zahl ohne diese Angabe ist schwer einzuordnen, und das gilt für beruhigende wie für alarmierende Befunde gleichermaßen.
Der Hebel dahinter ist die Temperatur der Wicklung. Das Deutsche Krebsforschungszentrum beschreibt es so: Die Konzentration von Formaldehyd und Acetaldehyd im Aerosol steigt mit der Verdampfertemperatur, und diese hängt an der Spannung des Geräts und am Verhalten der Nutzer. Ein Mensch bemerkt eine überhitzte Wicklung sofort am scharfen, verkohlten Geschmack und hört auf zu ziehen, eine Maschine mit festem Protokoll dagegen zieht stur weiter. Wie sich so ein Kokelgeschmack anfühlt und was dahintersteckt, beschreiben wir im Beitrag zum verbrannten Geschmack beim Dampfen. Ein Messprotokoll, das diesen Abbruchpunkt nicht kennt, misst deshalb einen Zustand, den im Alltag niemand freiwillig herbeiführt.
Dieselbe Mechanik steckt hinter einer Angabe, die uns im Laden ständig begegnet: den Zugzahlen auf Verpackungen von Einweg-E-Zigaretten. Ob dort 600 oder 800 Züge stehen, ist kein Erfahrungswert von Nutzern, sondern eine Rechnung mit festem Zugtakt und fester Zugdauer. Wer die Akkukapazität, den Widerstand der Wicklung und die tatsächliche Liquidmenge gegenrechnet, landet bei realistischer Zugdauer regelmäßig weit unter der aufgedruckten Zahl. Kritische Dampfer bezeichnen diese Angaben deshalb als Marketing, und diese Einschätzung teile ich. Wie stark diese Spanne ausfällt, haben wir im Test der Einweg-E-Zigaretten festgehalten.
Kompensation als zweiter Faktor
Verwandt damit ist das Nachregeln bei zu schwachem Liquid. Britische Arbeiten um Lynne Dawkins fanden, dass Dampfer bei niedriger Nikotinkonzentration länger und intensiver ziehen, um auf ihre gewohnte Menge zu kommen. Wer die Sitzungslänge im Labor vorgibt, unterbindet einen Teil dieses Nachregelns und misst am Ende etwas anderes als das, was zu Hause passiert. Die Wahl der passenden Nikotinstärke ist deshalb keine reine Geschmacksfrage, sondern beeinflusst, wie oft und wie lange Sie überhaupt zum Gerät greifen.
Dieselbe Stelle beim Krebsforschungszentrum nennt drei Faktoren, aus denen sich die Gesundheitsrisiken der E-Zigarette ergeben: die Zusammensetzung des Liquids, die Gerätetechnik und das individuelle Nutzerverhalten. Das ist keine dampferfreundliche Quelle, und genau deshalb zitiere ich sie hier. Die neue Auswertung widerspricht dieser Sicht nicht, sie liefert ihr Zahlen zum Verhaltensteil. Wie wir die Risikodebatte insgesamt einordnen, steht im Beitrag zu gesundheitlichen Risiken der E-Zigarette.
Für die Regulierung ist das mehr als eine akademische Feinheit. Behörden stützen Grenzwerte, Produktzulassungen und Risikoeinschätzungen auf genau solche Laborzahlen, und die europäische Tabakproduktrichtlinie wird derzeit überarbeitet. Ihre Nachfolgeregelung, im Fachjargon TPD3, befindet sich nach Verabschiedung und Umsetzung in nationales Recht auf demselben Fundament. Was wir dazu bisher wissen, haben wir in der Übersicht zu TPD2 und TPD3 gesammelt. Je genauer die zugrunde liegenden Messprotokolle das echte Verhalten abbilden, desto belastbarer werden die daraus abgeleiteten Regeln.
Was die Studie nicht misst
Die Auswertung zählt Züge und ihre zeitlichen Abstände – mehr nicht. Damit bleibt fast alles außen vor, was darüber entscheidet, wie viel Nikotin und wie viel Aerosol tatsächlich ankommen. Ein Zug ist eben keine feste Einheit, sondern eine Handlung mit sehr unterschiedlicher Länge, Stärke und Wirkung. Wer aus der Zahl der Züge auf die aufgenommene Menge schließt, macht denselben Denkfehler wie die Abrauchmaschine.
| Faktor | Warum er den Unterschied macht |
|---|---|
| Zugdauer | Zwischen drei und acht Sekunden liegt beim gleichen Gerät ein Vielfaches an Aerosol |
| Leistung und Widerstand | Watt-Einstellung und Ohm-Wert der Wicklung bestimmen, wie viel je Sekunde verdampft |
| Nikotinstärke und -form | 10 oder 20 mg/ml, Freebase oder Salz: derselbe Zug liefert eine andere Dosis |
| Zugtechnik | MTL, RDL und DL unterscheiden sich in Luftmenge und Zugwiderstand grundlegend |
| Situation und Tageszeit | Nach dem Aufstehen, unter Druck oder abends auf dem Sofa wird verschieden gedampft |
Aus der Praxis ließe sich die Liste beliebig verlängern. Eine Stammkundin von uns fährt ihre Geräte bewusst unterhalb der Herstellerempfehlung, weil das Pods schont und weniger Liquid verbraucht, und liegt dabei je nach Gerät zwischen dreieinhalb und acht Sekunden Zugdauer – mit demselben Nikotinwert im Tank. Zwei Menschen mit identischer Zugzahl können also am Tagesende bei völlig verschiedenen Liquidmengen landen. Genau deshalb ist die Zahl der Züge als Maß für Konsum wenig wert.
Belastbarer als jede Zugzahl ist der Blick auf den Verbrauch. Wer wissen will, wo er steht, schaut auf die Milliliter pro Tag und die Nikotinstärke im Tank, denn diese beiden Werte ergeben zusammen die Tagesdosis. Bei 10 mg/ml kommen Umsteiger mit hohem Bedarf durchaus auf sechs bis sieben Milliliter täglich, bei 20 mg/ml entsprechend weniger. Das ist die Rechnung, die im Beratungsgespräch weiterhilft, und sie kommt ganz ohne Zählen von Zügen aus. Welche Liquids und Stärken dazu passen, klären wir am besten im Einzelfall.
Was Dampfer aus den Zahlen mitnehmen
Die erste und vielleicht wichtigste Erkenntnis ist eine beruhigende: Es gibt kein richtiges Zugmuster. Die große Streuung in den Daten zeigt, dass Einzelzug-Dampfer und Serien-Dampfer beide zum Normalbild gehören. Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben, ob Sie zu oft oder zu selten zum Gerät greifen, dann liefert diese Auswertung eine klare Antwort: Beides kommt vor, und die Bandbreite ist groß. Niemand ist „unnormal“, weil er über einem Mittelwert liegt, den acht Laborstudien errechnet haben. Wichtiger als die Zahl der Züge ist, dass die Gesamtmenge Nikotin über den Tag zu Ihnen passt.
Gerätetyp und Zugmuster hängen zusammen
Wer viele kurze Einzelzüge über den Tag verteilt, fährt mit einem kompakten Gerät meist besser als mit einem großen Setup. Ein Pod System ist für diesen Rhythmus gebaut: schnell aus der Tasche, ein Zug, wieder weg. Sub-Ohm-Setups mit großer Wicklung entfalten ihre Stärke dagegen eher in längeren Serien, weil sie erst warmlaufen müssen. Welche Zugtechnik zu welchem Aufbau passt, haben wir in den Grundlagen zu MTL, RDL und DL ausführlich beschrieben.
Auch die Liquidwahl folgt diesem Muster. Nikotinsalze geben ihr Nikotin schneller ab und sind bei kratzarmem Zug höher dosierbar, was zu wenigen kurzen Zügen passt. Freebase-Nikotin in niedriger Dosierung setzt eher auf Menge und harmoniert mit längeren Sitzungen. Der Unterschied zwischen beiden Formen steckt im Ratgeber zu Nikotinsalz im Liquid, und die passenden Sorten finden Sie in der Kategorie Nikotinsalz-Liquids. Wenn Sie zwischen den Liquidtypen schwanken, hilft der Vergleich MTL gegen Sub-Ohm bei der Einordnung.
Serien belasten die Wicklung stärker
Ein praktischer Nebeneffekt der Studienlogik betrifft den Verschleiß. Lange Serien halten die Wicklung dauerhaft heiß, und die Watte kommt mit dem Nachführen von Liquid irgendwann nicht mehr hinterher. Das ist der Moment, in dem der Geschmack kippt und die Wicklung schneller altert, als es sein müsste. Wir sehen das an den Nachbestellungen: Kunden, die ihr Gerät über den Tag verteilt für einzelne Züge nutzen, kommen mit einem Verdampferkopf oft zwei bis drei Wochen aus, während Serien-Dampfer bei gleichem Liquid und gleichem Gerät schon nach wenigen Tagen wechseln. Wer viel am Stück dampft, sollte deshalb Verdampferköpfe häufiger tauschen und beim Verdampfer auf gute Liquidzufuhr achten, während Einzelzug-Dampfer mit derselben Wicklung oft sehr viel länger auskommen.
Und noch ein Punkt, der uns im Laden immer wieder begegnet: Viele Umsteiger versuchen, ihr altes Rauchmuster eins zu eins zu übertragen, also alle Stunde eine feste Portion. Das Dampfen funktioniert anders, weil das Gerät jederzeit verfügbar ist und keine Einheit vorgibt, die aufgebraucht werden muss. Die Studie zeigt, dass sich Nutzer diese Freiheit tatsächlich nehmen und in vielen kleinen Portionen konsumieren. Der Satz, den wir am Tresen am häufigsten hören, lautet sinngemäß: „Ich habe das Ding ja ständig in der Hand – ist das noch normal?“ Wer gerade den Umstieg plant, findet die wichtigsten Weichenstellungen im Ratgeber Dampfen statt Rauchen; der vollständige Rauchstopp ohne Nikotin bleibt aus gesundheitlicher Sicht die beste Wahl.
Grenzen der Studie
Fünf Einschränkungen sollten Sie mitlesen, und die Autoren benennen sie selbst. Alle acht Datensätze stammen aus derselben Forschungstradition und wurden von denselben Arbeitsgruppen erhoben, was die Vergleichbarkeit erhöht, die Vielfalt aber begrenzt. Die Teilnehmer waren zudem in einer Laborumgebung, auch wenn sie in den freien Phasen dampfen durften, wie sie wollten. Ein Sessel im Untersuchungsraum ist nicht der Schreibtisch zu Hause oder die Raucherecke vor dem Betrieb.
Hinzu kommt, dass die Gerätegeneration eine Rolle spielt. Wer ein Gerät mit Zugautomatik und stark nikotinhaltigem Salzliquid nutzt, dampft anders als jemand mit Tastenauslösung und niedriger Dosierung, und über die Geräteverteilung in den acht Studien sagt die Zusammenfassung wenig. Auch die 60-Sekunden-Grenze für eine Serie ist eine Setzung, keine Naturkonstante. Würde man 90 oder 30 Sekunden wählen, verschieben sich die Anteile zwischen den Klassen entsprechend. Die Grundaussage bliebe vermutlich bestehen, die genauen Prozentwerte jedoch nicht.
Was die Forschungsgruppe selbst einräumt
Die schärfste Kritik an diesen Daten steht in den Veröffentlichungen der Arbeitsgruppe selbst, und das spricht für ihre Redlichkeit. In früheren Arbeiten aus demselben Labor findet sich der Hinweis, dass die Standardisierung auf ein einzelnes Verdampfermodell nötig war, damit das Messmundstück überhaupt passt, dass dieses Modell aber nicht repräsentativ für die Geräte erfahrener Dampfer ist. Die Autoren nennen ausdrücklich den Bedarf an Messwerkzeugen, die auch mit Geräten neuerer Generation funktionieren. Wer also einwendet, dass hier veraltete Hardware vermessen wurde, wiederholt einen Punkt, den die Forscher längst gemacht haben.
Noch schwerer wiegt die zweite Selbstauskunft. Die Teilnehmer sollten vor den Sitzungen mindestens zwölf Stunden auf Nikotin verzichten, und die Autoren schreiben selbst, dass sich vermutlich ein Teil von ihnen nicht daran gehalten hat – bei E-Zigaretten lässt sich kurzfristige Abstinenz unmittelbar vor Sitzungsbeginn nicht überprüfen, anders als beim Rauchen über den Kohlenmonoxidwert der Atemluft. Dazu kommt ein Befund derselben Forschungsgruppe, wonach schon das Messmundstück selbst die Nikotinaufnahme und das Zugverhalten beeinflusst. Die Sitzungen dauerten typischerweise rund drei Stunden mit einem angeleiteten Zehn-Züge-Block und einer anschließenden freien Phase von etwa 90 Minuten. Ein Zeitfenster am Stück nach erzwungener Pause ist eben nicht der über den Tag verteilte Konsum, den die Studie eigentlich beschreiben will.
Warum die Zahlen nicht auf Deutschland passen
Der gewichtigste Vorbehalt betrifft das Nikotin. In den USA sind Konzentrationen zulässig, die es hier nie gegeben hat: Pod-Systeme wurden dort mit 59 mg/ml verkauft, während die europäische Obergrenze bei 20 mg/ml liegt, also bei rund einem Drittel. Untersuchungen, die beide Varianten desselben Geräts verglichen haben, fanden entsprechend klare Unterschiede bei Blutnikotinwerten und beim Nachlassen des Verlangens. Wer pro Zug ein Vielfaches an Nikotin bekommt, braucht weniger Züge und kürzere Serien, um satt zu werden. Zugmuster aus US-Laboren lassen sich deshalb nicht eins zu eins auf einen deutschen Dampfer mit 10 oder 20 mg/ml übertragen.
Dazu kommt die Frage, wer überhaupt gemessen wurde. Laborstudien zur Zugtopografie arbeiten typischerweise mit kleinen Gruppen, oft im zweistelligen Bereich je Erhebung, und rekrutieren häufig im Umfeld der beteiligten Hochschulen. Wer dort mitmacht, ist im Schnitt jünger und anders belastet als ein 55-jähriger Umsteiger im Schichtdienst. Langjährige Dampfer und ältere Ex-Raucher, also genau die Gruppe, die bei uns im Laden die Mehrheit stellt, sind in solchen Stichproben regelmäßig unterrepräsentiert. Aus meiner Sicht taugen die vier Serienklassen deshalb als Beleg gegen den Laborstandard, nicht als Richtwert für irgendetwas.
Zwei formale Hinweise zur Einordnung sollten Sie ebenfalls kennen. Der Beitrag liegt bislang als angenommenes Manuskript vor, also vor dem redaktionellen Feinschliff durch den Verlag, und einzelne Formulierungen können sich in der Endfassung noch ändern. Außerdem addieren sich die im Abstract genannten Anteile für Einzelzüge und kurze Serien rechnerisch auf rund 66 Prozent, während die Autoren im Fazit 67,0 Prozent nennen; solche kleinen Abweichungen entstehen, wenn Mittelwerte über unterschiedlich große Sitzungen gebildet werden. Am Kernbefund ändert das nichts. Weitere Einordnungen zu Studien rund um die E-Zigarette finden Sie in unserer Übersicht zu Langzeitstudien und im Faktencheck zu verbreiteten Mythen.
Quellen & weiterführende Informationen
Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die Originalveröffentlichung und auf begutachtete Fachliteratur zum Zugverhalten bei E-Zigaretten. Alle Zahlen zu Serienhäufigkeit und Anteilen stammen aus der Zusammenfassung der Arbeit von Blank und Kollegen. Die ergänzenden Titel dienen der Einordnung und sind über PubMed beziehungsweise die Seite des Deutschen Krebsforschungszentrums frei zugänglich. Bei der Auswahl achte ich darauf, dass die Arbeiten öffentlich oder über Hochschulen finanziert sind; Autoren mit ungeklärten Interessenkonflikten zitiere ich in diesem Themenfeld nicht. Stand der Prüfung: 14. August 2026.
- Blank MD, Felicione N, Breland A, Milstred AR, Cobb C (2026): Does a 10-puff bout reflect natural puffing patterns for electronic nicotine delivery systems? – Nicotine & Tobacco Research, ntag165, DOI 10.1093/ntr/ntag165. Primärquelle aller Zahlen dieses Beitrags.
- Felicione NJ und Kollegen: Comparison of Measurement Methods for Electronic Cigarette Puff Topography – Hintergrund zum standardisierten Block aus zehn Zügen mit 30 Sekunden Abstand.
- Dawkins L und Kollegen: The Time Course of Compensatory Puffing With an Electronic Cigarette – zum Nachregeln bei niedriger Nikotinkonzentration.
- ISO 3308:2012 – Abrauchparameter, dokumentiert in: Influence of Smoking Puff Parameters and Tobacco Varieties on Free Radicals Yields in Cigarette Mainstream Smoke – nennt die ISO-Standardbedingungen mit 35 ml Zugvolumen, 2 Sekunden Zugdauer und 60 Sekunden Zugabstand im Volltext.
- Richtlinie 2014/40/EU (TPD2): EU-Tabakproduktrichtlinie im Volltext – Erwägungsgrund zur Irreführung durch Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidwerte auf Packungen sowie Artikel 4 zu den Messnormen ISO 4387, 10315 und 8454.
- Hiler M, Breland A, Spindle T, Blank MD, Cobb C und Kollegen: Electronic Cigarette User Plasma Nicotine Concentration, Puff Topography, Heart Rate, and Subjective Effects – enthält die Selbstauskunft der Arbeitsgruppe zur nicht überprüfbaren Abstinenz und zur Standardisierung auf ein nicht repräsentatives Verdampfermodell.
- Spindle TR, Hiler MM, Breland AB und Kollegen (2017): The Influence of a Mouthpiece-Based Topography Measurement Device on Electronic Cigarette Users – zeigt, dass das Messmundstück selbst Nikotinaufnahme und Zugverhalten verändert.
- Phillips-Waller A und Kollegen (2020): Nicotine delivery and user reactions to Juul EU (20 mg/ml) compared with Juul US (59 mg/ml) – Queen Mary University of London; belegt die Unterschiede in Nikotinaufnahme und Verlangen zwischen US- und EU-Dosierung.
- Deutsches Krebsforschungszentrum (2025): Wie wirkt Nikotin auf die Gesundheit und was macht E-Zigaretten und E-Shishas riskant? – deutschsprachige Einordnung: Liquid, Gerätetechnik und Nutzerverhalten bestimmen gemeinsam die Schadstoffbildung.
- Behar RZ, Hua M, Talbot P: Puffing topography and nicotine intake of electronic cigarette users – frühe Messungen zur Streuung individueller Zugmuster, finanziert über ein öffentliches Forschungsprogramm der University of California.
Häufige Fragen
Was genau ist eine Zugserie in dieser Studie?
Alle Züge, zwischen denen weniger als 60 Sekunden liegen, zählen als eine Serie. Vier Klassen wurden gebildet: ein Zug, zwei bis fünf Züge, sechs bis zehn Züge und mehr als zehn Züge.
Wie viele Züge nehmen Dampfer typischerweise am Stück?
Meist einen bis fünf. Diese beiden Klassen zusammen machen laut den Autoren 67,0 Prozent aller Züge aus, während Serien über sechs Züge selten vorkommen.
Warum arbeiten Labore überhaupt mit zehn Zügen?
Um Messungen vergleichbar zu machen. Nur wenn alle Teilnehmer gleich viele Züge nehmen, lassen sich Blutwerte, Herzfrequenz und Aerosolproben zwischen Personen und Geräten gegenüberstellen.
Sind bisherige Messwerte damit wertlos?
Nein. Sie bleiben für Vergleiche zwischen Produkten brauchbar, sollten aber nicht ungeprüft auf den Alltag übertragen werden. Die Autoren plädieren für Protokolle, die dem echten Verhalten näherkommen.
Beeinflusst das Zugmuster die Schadstoffbildung?
Ja, über die Temperatur der Wicklung. Viele Züge in kurzer Folge lassen der Watte wenig Zeit zum Nachfüllen, wodurch das Liquid überhitzen kann. Dampfer bemerken das am verbrannten Geschmack.
Gibt es eine gesetzliche Obergrenze für die Zahl der Züge?
Nein. Reguliert sind in der EU die Nikotinstärke mit höchstens 20 mg/ml und die Behältergrößen, nicht das Nutzungsverhalten. Zugangaben auf Verpackungen sind Herstellerangaben aus Maschinenmessungen, keine Grenzwerte.
Wie lange sollte ein Zug dauern?
Dazu sagt die Studie nichts, sie hat nur Züge gezählt. In der Praxis reichen die Angaben von etwa drei bis acht Sekunden, abhängig von Gerät, Leistung und Gewohnheit. Eine Vorgabe gibt es nicht.
Gibt es ein richtiges Zugmuster für mich?
Die Daten zeigen eine große Bandbreite zwischen einzelnen Personen. Entscheidend ist nicht die Zahl der Züge, sondern eine Nikotinmenge über den Tag, die zu Ihnen passt.
Warum halten Einweg-E-Zigaretten selten so lange wie angegeben?
Weil Angaben wie 600 Züge aus Maschinenmessungen mit festem Zugtakt und fester Zugdauer stammen. Wer länger oder kräftiger zieht, kommt auf weniger Züge, wer sparsam zieht, auf mehr.
Wie belastbar sind die zugrunde liegenden Daten?
Begrenzt, und die Arbeitsgruppe sagt das selbst. Gemessen wurde mit einem standardisierten Verdampfer, der nicht dem entspricht, was erfahrene Dampfer nutzen, und die vorgeschriebene Abstinenz vor den Sitzungen ließ sich nicht überprüfen.
Gelten die Zahlen auch für Dampfer in Deutschland?
Nur eingeschränkt. Die Daten stammen aus US-Laboren, wo Nikotinkonzentrationen bis 59 mg/ml zulässig sind; in der EU sind höchstens 20 mg/ml erlaubt. Wer pro Zug mehr Nikotin bekommt, braucht weniger Züge.
Sagt die Studie etwas über Gesundheitsrisiken aus?
Nein. Sie betrifft die Messmethodik, nicht die Risikobewertung. Wer ganz auf Nikotin verzichten kann, fährt gesundheitlich am besten; die Rückkehr zur Tabakzigarette ist das schlechteste Ergebnis.
Wo finde ich die Originalstudie?
In Nicotine & Tobacco Research unter der Artikelnummer ntag165, online seit dem 22. Juli 2026. Der Link steht im Quellenverzeichnis dieses Beitrags.
Über den Autor
Gründer & Geschäftsführer, MaxVapor
MaxVapor wurde 2008 gegründet; seit 2012 mit Spezialisierung auf E-Zigaretten und Liquids. Über 14 Jahre Expertise in Produktberatung, TPD2-Compliance und technischer Beratung. Verantwortlich für Produktprüfung und Kundenkommunikation bei MaxVapor.
Qualifikation: • Unternehmensgründung 2008
• E-Zigaretten-Fachhandel seit 2012
• Fachkenntnisse TPD2-Richtlinien
• Mitglied im BfTG e.V.
• Produktschulung & Beratung
• Eingetragener Kaufmann
Erstveröffentlichung: · Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden redaktionell geprüft. Keine Gesundheitsversprechen; alle Angaben ohne Gewähr.
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