Nikotinsucht verstehen & überwinden
E-Zigaretten und Liquids sind ausschließlich für Personen ab 18 Jahren bestimmt. Nikotin kann abhängig machen.
Geprüft von Oliver Prust · Inhaber MaxVapor.de, seit 2012 auf E-Zigaretten spezialisiert · Zuletzt aktualisiert: Januar 2026
Kurz & Knapp: Nikotinsucht verstehen
- Duale Abhängigkeit – körperliche und psychische Komponenten verstärken sich gegenseitig
- Dopamin-Freisetzung – Nikotin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn innerhalb von Sekunden
- Tabakrauch potenziert – MAO-Hemmer im Rauch verstärken die Nikotinwirkung erheblich
- Fagerström-Test – misst körperliche Abhängigkeit, psychische Faktoren werden ergänzend erfasst
- Therapie: Kombination aus Nikotinersatz, Medikamenten und Verhaltenstherapie zeigt beste Erfolge
- E-Zigarette: Als Harm-Reduction-Strategie anerkannt – deutlich weniger Schadstoffe als Tabakrauch
- Prävention: Frühe Aufklärung senkt das Risiko lebenslanger Abhängigkeit nachweislich
Wer raucht oder dampft, kennt das Thema aus eigener Erfahrung: das Verlangen nach der nächsten Zigarette oder dem nächsten Zug an der E-Zigarette, das sich manchmal kaum kontrollieren lässt. Nikotinsucht ist weit mehr als nur eine schlechte Angewohnheit – sie ist eine anerkannte chronische Erkrankung mit messbaren Veränderungen im Gehirn. In den Jahren, seit ich MaxVapor führe und täglich mit Kunden über ihre Rauchgeschichten spreche, habe ich unzählige Varianten erlebt: vom Kettenraucher mit 40 Zigaretten am Tag bis zum Umsteiger, der nach Jahren der erfolglosen Aufhörversuche endlich mit der E-Zigarette einen Weg gefunden hat. Hier erfahren Sie, was Nikotinsucht auf neurobiologischer und psychologischer Ebene bedeutet, wie Sie Ihre eigene Abhängigkeit einschätzen können und welche Wege es gibt, davon loszukommen – oder zumindest die Schadensbelastung spürbar zu reduzieren.
Definition Nikotinsucht: Ein komplexes Zusammenspiel
Nikotinsucht bezeichnet eine chronische, rezidivierende Erkrankung, die sowohl durch körperliche als auch durch psychische Faktoren geprägt ist. Die medizinischen Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 führen Nikotinabhängigkeit als eigenständige Störung, was die enorme gesundheitliche Relevanz unterstreicht. Im Kern handelt es sich um ein zwanghaftes Verlangen nach Nikotin, das selbst dann bestehen bleibt, wenn Betroffene die gesundheitlichen und sozialen Nachteile ihres Konsums kennen und eigentlich aufhören wollen. Dieses Phänomen ist Ausdruck eines komplexen Zusammenspiels zwischen neurobiologischen Anpassungen im Gehirn, psychischen Mechanismen wie Gewohnheiten und Konditionierung sowie sozialen Kontextfaktoren.
Erschwerend kommt hinzu, dass Nikotinsucht nicht nur eine reine Substanzabhängigkeit darstellt, sondern tief in den Alltag der Konsumenten integriert ist. Die Zigarette zum Kaffee, nach dem Essen, in der Pause – diese Rituale sind Teil der Identität geworden. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2024 sterben weltweit jährlich mehr als acht Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, davon rund 1,3 Millionen durch Passivrauchen. In Deutschland rauchen aktuell etwa 23 Prozent der erwachsenen Bevölkerung – ein Anteil, der zwar seit Jahren langsam sinkt, aber immer noch Millionen Betroffene umfasst.
Die duale Natur der Abhängigkeit
Die Besonderheit der Nikotinsucht liegt in ihrer dualen Natur: Sie umfasst physische Abhängigkeit und psychische Abhängigkeit, die in enger Wechselwirkung zueinander stehen. Während viele Substanzen primär körperlich oder primär psychisch abhängig machen, vereint Nikotin beides in ausgeprägter Form – und genau das macht es so schwer, dauerhaft davon loszukommen.
Physische Abhängigkeit
Die körperliche Abhängigkeit beruht auf neurobiologischen Mechanismen, die mittlerweile sehr gut erforscht sind. Nikotin wirkt direkt auf das mesolimbische Belohnungssystem im Gehirn – vor allem auf die Dopaminfreisetzung im Nucleus accumbens. Schon nach wenigen Zügen einer Zigarette erreichen Nikotinmoleküle innerhalb von sieben bis zehn Sekunden das Gehirn – diese extrem schnelle Anflutung erklärt die unmittelbare Verstärkung des Rauchverhaltens. Dopamin vermittelt kurzfristig Gefühle wie Entspannung, gesteigerte Konzentration und Stressreduktion. Mit der Zeit kommt es zur Toleranzentwicklung: Der Körper benötigt immer höhere Dosen, um die gleiche Wirkung zu erzielen, weil die nikotinergen Acetylcholinrezeptoren ihre Empfindlichkeit verändern. Entzugssymptome wie Reizbarkeit, Schlafstörungen, Nervosität, depressive Verstimmungen und starkes Verlangen (Craving) sind eindeutige Zeichen der physischen Abhängigkeit und stellen für viele Raucher die größte Hürde beim Aufhören dar.
Psychische Abhängigkeit
Parallel dazu wird die psychische Abhängigkeit oft unterschätzt – dabei wiegt sie mindestens genauso schwer. Hierbei handelt es sich um ein Zusammenspiel aus erlernten Verhaltensmustern, Ritualen und emotionalen Verknüpfungen. Rauchen wird mit bestimmten Situationen assoziiert: der erste Kaffee am Morgen, die Pause während der Arbeit, gesellige Runden mit Freunden oder Stresssituationen. Diese konditionierten Reize fungieren als Trigger, die auch nach langer Abstinenz ein starkes Verlangen auslösen können – selbst wenn die körperlichen Entzugssymptome längst abgeklungen sind. Die psychische Abhängigkeit erklärt, warum viele Raucher selbst nach erfolgreicher körperlicher Entwöhnung noch Jahre später rückfällig werden können. Das „psychologische Gedächtnis" der Sucht ist extrem langlebig und kann durch einen einzigen Auslöser wieder aktiviert werden.
Das Zusammenspiel verstärkt die Sucht
Die Verzahnung von körperlicher und psychischer Abhängigkeit verstärkt die Nikotinsucht massiv. Während körperliche Symptome nach zwei bis vier Wochen abklingen können, bleibt die psychische Komponente oft über Monate oder Jahre bestehen. Genau deshalb gelten multimodale Therapieansätze als am wirksamsten: Sie adressieren beide Ebenen gleichzeitig und erhöhen damit die langfristigen Erfolgsaussichten spürbar. Wer nur die körperliche Seite behandelt, etwa durch Nikotinersatzprodukte, ohne die psychischen Trigger anzugehen, hat ein hohes Rückfallrisiko.
Wirkung und Abhängigkeitspotenzial: Nikotin vs. Tabakrauch
Eine zentrale Unterscheidung, die im öffentlichen Diskurs oft untergeht: Reines Nikotin und Tabakrauch sind nicht dasselbe, und ihr Abhängigkeitspotenzial unterscheidet sich grundlegend. Diese Unterscheidung ist für Umsteiger auf die E-Zigarette von großer Bedeutung.
Reines Nikotin
Nikotin ist ein stark wirksames Alkaloid, das natürlich in der Tabakpflanze vorkommt. Es besitzt ein Suchtpotenzial, das zwar geringer als das von Substanzen wie Heroin oder Kokain ist, aber dennoch ausgeprägt. Nikotin bindet an nikotinerge Acetylcholinrezeptoren und führt über eine Kaskade neuronaler Prozesse zu einer Aktivierung des Belohnungssystems. Dieser Effekt erklärt das starke Verlangen und die schnelle Entwicklung einer Abhängigkeit. Isoliert betrachtet – also ohne die verstärkenden Begleitstoffe des Tabakrauchs – ist das Abhängigkeitspotenzial von reinem Nikotin geringer als das von Zigaretten.
Tabakrauch und seine verstärkende Wirkung
Der Konsum von Tabakrauch unterscheidet sich klar vom Konsum reinen Nikotins. Zigaretten enthalten über 7.000 chemische Substanzen, von denen mindestens 70 nachweislich krebserregend sind. Entscheidend für das Abhängigkeitspotenzial sind MAO-Hemmer, die im Tabakrauch vorkommen und den Abbau von Dopamin verlangsamen. Dadurch wird die Belohnungswirkung von Nikotin potenziert – das Gehirn wird also stärker „belohnt" als durch reines Nikotin allein. Zusätzlich verstärken weitere Substanzen wie Acetaldehyd die Wirkung. Dieses Zusammenspiel erklärt, warum das Rauchen von Zigaretten zu den am stärksten abhängig machenden Konsumformen überhaupt gehört.
| Substanz | Körperliche Abhängigkeit | Psychische Abhängigkeit | Gesamtrisiko |
|---|---|---|---|
| Tabakrauch (Zigaretten) | Hoch | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Reines Nikotin (E-Zigarette) | Mittel bis hoch | Hoch | Hoch |
| Alkohol | Hoch | Mittel | Hoch |
| Kokain | Niedrig bis mittel | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Heroin | Sehr hoch | Sehr hoch | Extrem hoch |
Diese Einstufungen basieren auf aktuellen suchtmedizinischen Erkenntnissen und machen deutlich: Nikotin darf keinesfalls als „harmlose Substanz" eingestuft werden. Allerdings ist das Risiko bei reinem Nikotin – wie es in E-Liquids vorliegt – geringer als beim Rauchen, weil die verstärkenden MAO-Hemmer fehlen.
Die Neubewertung des Fagerström-Tests
Wenn Sie wissen wollen, wie stark Ihre Nikotinabhängigkeit ausgeprägt ist, werden Sie früher oder später auf den Fagerström-Test stoßen. Er ist das international am weitesten verbreitete Instrument zur Einschätzung der körperlichen Nikotinabhängigkeit – doch seine Aussagekraft hat Grenzen.
Der klassische Fagerström-Test (FTND)
Der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit umfasst sechs Fragen, die unter anderem ermitteln, wie schnell nach dem Aufwachen die erste Zigarette geraucht wird, wie viele Zigaretten pro Tag konsumiert werden und ob in den frühen Morgenstunden stärker geraucht wird. Die Auswertung ergibt einen Punktwert zwischen 0 und 10, der den Schweregrad der Abhängigkeit widerspiegelt: 0–2 Punkte gelten als sehr geringe Abhängigkeit, 3–4 als geringe, 5 als mittlere, 6–7 als starke und 8–10 als sehr starke Abhängigkeit. Der Test ist schnell durchzuführen und gibt einen ersten Anhaltspunkt für die Therapieplanung.
Kritik und Limitationen
Obwohl der Test praktisch und weit verbreitet ist, zeigen Studien klare Grenzen auf. Die Reliabilität (Cronbach's α ≈ 0,61–0,68) ist nur moderat, was bedeutet, dass die Ergebnisse nicht immer stabil und reproduzierbar sind. Der FTND erfasst primär körperliche Aspekte der Abhängigkeit, während die psychische Komponente weitgehend unberücksichtigt bleibt. Bei Dampfern ist der Test zudem nur eingeschränkt anwendbar, da er auf typische Rauchmuster abzielt. Neuere Studien aus dem Jahr 2024 empfehlen daher, den FTND durch verhaltenspsychologische Instrumente zu ergänzen, etwa den Glover-Nilsson Smoking Behavioral Questionnaire (GN-SBQ), der die psychologische Komponente genauer erfasst.
Neubewertung in der Praxis
In modernen Rauchentwöhnungsprogrammen wird zunehmend eine Kombination verschiedener Messinstrumente eingesetzt. Diese ermöglicht eine präzisere Diagnostik und damit eine gezieltere Therapieplanung. Wenn Sie Ihre Abhängigkeit realistisch einschätzen wollen, sollten Sie neben dem FTND auch Ihre persönlichen Trigger reflektieren: Wann greife ich zur Zigarette oder E-Zigarette? In welchen Situationen ist das Verlangen am stärksten? Diese Selbstreflexion ist mindestens so wichtig wie der Punktwert im Fragebogen.
Therapieansätze: Was wirklich hilft
Die gute Nachricht vorweg: Nikotinsucht ist behandelbar, und die Erfolgsquoten moderner Therapieansätze liegen weit höher als noch vor zwanzig Jahren. Entscheidend ist, dass sowohl die körperliche als auch die psychische Komponente adressiert werden – multimodale Ansätze zeigen die besten Langzeitergebnisse.
Nikotinersatztherapie (NRT)
Nikotinersatzpräparate wie Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis, Nikotinlutschtabletten, Nikotinsprays oder Nikotininhalatoren liefern dem Körper weiterhin Nikotin, ohne die schädlichen Begleitstoffe des Tabakrauchs. Sie mildern die körperlichen Entzugssymptome und erleichtern den Übergang in die Rauchfreiheit. Die Wirksamkeit ist gut belegt: Metaanalysen zeigen, dass NRT die Erfolgsquote beim Rauchstopp etwa verdoppelt. Wichtig ist die richtige Dosierung – wer bisher stark geraucht hat, braucht initial höhere Dosen, die dann schrittweise reduziert werden.
Verschreibungspflichtige Medikamente
Zusätzlich zur Nikotinersatztherapie gibt es verschreibungspflichtige Medikamente, die auf unterschiedlichen Wegen wirken. Vareniclin (Champix) blockiert teilweise die nikotinergen Rezeptoren und reduziert sowohl das Verlangen als auch die Belohnungswirkung einer Zigarette. Bupropion (Zyban) beeinflusst die Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme und wurde ursprünglich als Antidepressivum entwickelt. Beide Medikamente erhöhen die Erfolgsquote messbar, können aber Nebenwirkungen haben und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Seit 2024 sind in einigen europäischen Ländern auch neue Wirkstoffe wie Cytisin zugelassen, das eine ähnliche Wirkung wie Vareniclin hat, aber günstiger ist.
Verhaltenstherapie
Neben der medikamentösen Unterstützung ist Verhaltenstherapie ein zentraler Bestandteil erfolgreicher Rauchentwöhnung. In Einzel- oder Gruppensitzungen werden Trigger-Situationen analysiert, neue Bewältigungsstrategien entwickelt und Motivationsfaktoren gestärkt. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als nachweislich wirksam. Studien zeigen konsistent, dass die Kombination von Medikamenten und psychologischer Unterstützung die besten langfristigen Erfolge erzielt – die Erfolgsquote kann auf 25 bis 30 Prozent nach einem Jahr steigen, verglichen mit etwa 5 Prozent bei ununterstützten Aufhörversuchen.
E-Zigarette als Harm-Reduction-Strategie
Ein zunehmend diskutierter und von vielen Gesundheitsbehörden anerkannter Ansatz ist die E-Zigarette als Harm-Reduction-Strategie. Das Konzept: Wenn der vollständige Nikotinverzicht nicht gelingt, ist es aus gesundheitlicher Sicht sinnvoller, auf eine weniger schädliche Nikotinquelle umzusteigen, als weiter Tabak zu rauchen. Die E-Zigarette liefert Nikotin ohne die über 7.000 Schadstoffe des Tabakrauchs – und genau hier liegt ihr Potenzial.
Wissenschaftliche Einordnung
Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (heute OHID) schätzte bereits 2015, dass E-Zigaretten etwa 95 Prozent weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten – eine Einschätzung, die in aktualisierten Reviews von 2024 bestätigt wurde. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass Dampfen harmlos wäre, aber das Schadstoffprofil ist grundlegend anders. Krebserregende Verbrennungsprodukte wie Teer, Benzol oder Kohlenmonoxid fallen weg, weil beim Dampfen keine Verbrennung stattfindet. Stattdessen wird das E-Liquid lediglich erhitzt und verdampft.
Für wen eignet sich der Umstieg?
Für Raucher, die bereits mehrere erfolglose Aufhörversuche hinter sich haben, kann die E-Zigarette ein hilfreiches Mittel sein, um den Übergang zur völligen Abstinenz zu erleichtern – oder zumindest die Schadstoffbelastung drastisch zu reduzieren. Viele Umsteiger berichten, dass sie innerhalb weniger Wochen keinen Tabak mehr anfassen, weil das Ritual des Dampfens die psychische Komponente der Sucht bedient, während die körperliche Abhängigkeit durch das Nikotin im passend dosierten Liquid abgedeckt wird. Einsteiger sollten mit einem einfachen Pod-System beginnen, das der Zugtechnik einer Zigarette ähnelt.
Kritische Punkte
Trotz der positiven Einschätzungen gibt es berechtigte Einwände. Die Langzeitfolgen des Dampfens sind noch nicht vollständig geklärt, weil E-Zigaretten erst seit etwa 15 Jahren breit verfügbar sind. Für Nie-Raucher und Jugendliche ist der Einstieg ins Dampfen ausdrücklich nicht empfehlenswert – hier überwiegen die Risiken, weil kein Schadensreduktionspotenzial vorhanden ist. E-Zigaretten und Liquids unterliegen in der EU der TPD2-Richtlinie, die unter anderem Nikotinkonzentrationen auf maximal 20 mg/ml begrenzt und Inhaltsstoffe regelt. Die kommende TPD3 wird voraussichtlich weitere Regulierungen bringen.
Prävention: Gar nicht erst anfangen
Die wirksamste Strategie gegen Nikotinsucht ist, gar nicht erst mit dem Rauchen oder Dampfen zu beginnen. Da Nikotinsucht häufig im Jugendalter beginnt – das durchschnittliche Einstiegsalter liegt in Deutschland bei etwa 14 Jahren –, kommt der Prävention eine Schlüsselrolle zu. Wer vor dem 18. Lebensjahr nicht mit dem Rauchen anfängt, hat ein wesentlich geringeres Risiko, jemals abhängig zu werden.
Wirksame Präventionsstrategien umfassen Aufklärungskampagnen in Schulen, die nicht moralisieren, sondern faktenbasiert informieren. Studien zeigen, dass reine Abschreckungskampagnen oft wenig bringen – wirksamer ist es, Jugendlichen Kompetenzen zur Risikoeinschätzung und Selbstbehauptung zu vermitteln. Nichtraucherschutzgesetze haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, das Rauchen aus vielen öffentlichen Räumen zu verbannen und damit die soziale Akzeptanz des Rauchens zu reduzieren. Werbebeschränkungen – in Deutschland seit 2024 auch für Außenwerbung vollständig umgesetzt – verringern den Kontakt Jugendlicher mit Tabakwerbung stark.
Auch Preiserhöhungen durch Tabaksteuern sind nachweislich wirksam: Eine Erhöhung des Zigarettenpreises um zehn Prozent reduziert den Konsum bei Jugendlichen um etwa sieben Prozent, bei Erwachsenen um etwa vier Prozent. Die WHO empfiehlt daher eine Kombination aus Preispolitik, Werbeverboten, rauchfreien Zonen und niedrigschwelligen Hilfsangeboten für Ausstiegswillige. In Deutschland bieten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und viele Krankenkassen kostenlose Beratungs- und Entwöhnungsprogramme an.
Häufige Fragen
Was genau ist Nikotinsucht?
Nikotinsucht ist eine chronische Erkrankung, die durch körperliche und psychische Abhängigkeit von Nikotin gekennzeichnet ist. Sie äußert sich durch zwanghaftes Verlangen, Toleranzentwicklung und Entzugssymptome beim Verzicht. Die medizinischen Klassifikationen ICD-10 und DSM-5 führen sie als eigenständige Störung.
Wie lange dauert der körperliche Nikotinentzug?
Die körperlichen Entzugssymptome erreichen meist nach zwei bis drei Tagen ihren Höhepunkt und klingen innerhalb von zwei bis vier Wochen ab. Die psychische Abhängigkeit kann jedoch wesentlich länger bestehen bleiben – Trigger-Situationen können auch nach Monaten oder Jahren noch Verlangen auslösen.
Ist Dampfen weniger süchtig machend als Rauchen?
Ja, tendenziell. Tabakrauch enthält MAO-Hemmer, die die Nikotinwirkung verstärken. Diese fehlen beim Dampfen, weshalb das Abhängigkeitspotenzial geringer ist. Dennoch kann auch das Dampfen nikotinhaltiger E-Liquids abhängig machen – das Risiko ist nur etwas niedriger als beim Rauchen.
Hilft die E-Zigarette beim Rauchstopp?
Für viele Raucher ja. Studien zeigen, dass E-Zigaretten als Ausstiegshilfe mindestens so wirksam sind wie klassische Nikotinersatzprodukte, möglicherweise sogar wirksamer. Sie bedienen sowohl die körperliche Abhängigkeit (durch das Nikotin) als auch die psychische (durch das Ritual des Dampfens). Die E-Zigarette ist von mehreren Gesundheitsbehörden als Harm-Reduction-Strategie anerkannt.
Was ist der Fagerström-Test?
Der Fagerström-Test für Nikotinabhängigkeit (FTND) ist ein international anerkannter Fragebogen mit sechs Fragen, der den Schweregrad der körperlichen Nikotinabhängigkeit misst. Er ergibt einen Wert zwischen 0 und 10 Punkten. Der Test erfasst jedoch primär körperliche Aspekte; für die psychische Komponente werden ergänzende Instrumente empfohlen.
Welche Medikamente helfen bei der Rauchentwöhnung?
Neben Nikotinersatzprodukten (Pflaster, Kaugummi, Spray) gibt es verschreibungspflichtige Medikamente wie Vareniclin (Champix), Bupropion (Zyban) und das neuere Cytisin. Alle können die Erfolgsquote merklich erhöhen, sollten aber unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden. Die beste Wirkung zeigt die Kombination mit Verhaltenstherapie.
Warum ist Tabakrauch süchtiger als reines Nikotin?
Tabakrauch enthält MAO-Hemmer, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen. Dadurch wird die Belohnungswirkung des Nikotins potenziert – das Gehirn wird also stärker „belohnt" als bei reinem Nikotin. Zusätzlich verstärken Substanzen wie Acetaldehyd die Nikotinwirkung, was das Suchtpotenzial von Zigaretten erhöht.
Kann man auch von nikotinfreien E-Liquids abhängig werden?
Eine körperliche Abhängigkeit ist bei nikotinfreien Liquids nicht möglich, da Nikotin der abhängig machende Stoff ist. Die psychische Komponente – das Ritual des Dampfens – kann zwar zu einer Gewohnheit werden, ist aber viel leichter zu durchbrechen als eine echte Nikotinsucht.
Wie hoch sollte die Nikotinstärke beim Umstieg sein?
Das hängt von Ihrem bisherigen Zigarettenkonsum ab. Als Faustregel: Wer mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat, sollte mit 12–20 mg/ml Nikotin starten. Bei 10–20 Zigaretten pro Tag sind 6–12 mg/ml empfehlenswert, bei weniger als 10 Zigaretten 3–6 mg/ml. Zu niedrige Dosierung führt oft dazu, dass Umsteiger parallel weiterrauchen.
Wo finde ich Hilfe bei der Rauchentwöhnung?
In Deutschland bieten die BZgA (rauchfrei-info.de), viele Krankenkassen und lokale Suchtberatungsstellen kostenlose Programme an. Ihr Hausarzt kann Ihnen verschreibungspflichtige Medikamente verordnen und Sie an spezialisierte Angebote vermitteln. Auch Online-Kurse und Apps zur Rauchentwöhnung können unterstützend wirken.
Über den Autor
Gründer & Geschäftsführer, MaxVapor
MaxVapor wurde 2008 gegründet; seit 2012 mit Spezialisierung auf E-Zigaretten und Liquids. Über 14 Jahre Expertise in Produktberatung, TPD2-Compliance und technischer Beratung. Verantwortlich für Produktprüfung und Kundenkommunikation bei MaxVapor.
Qualifikation: • Unternehmensgründung 2008
• E-Zigaretten-Fachhandel seit 2012
• Fachkenntnisse TPD2-Richtlinien
• Produktschulung & Beratung
• Eingetragener Kaufmann
Erstveröffentlichung: · Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden redaktionell geprüft. Keine Gesundheitsversprechen; alle Angaben ohne Gewähr.
Facebook (Oliver Prust) • LinkedIn • Facebook (MaxVapor) • Instagram (MaxVapor)
Mehr Infos & Richtlinien: Jugendschutz • Datenschutz • Versand • Impressum • Kontakt
Quellen
- World Health Organization: WHO Report on the Global Tobacco Epidemic, 2024
- Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht): S3-Leitlinie Tabakabhängigkeit, Update 2024
- Office for Health Improvement and Disparities (OHID): Evidence Review of E-Cigarettes, 2024
- Heatherton TF et al.: The Fagerström Test for Nicotine Dependence. British Journal of Addiction, 1991
- LWW Journals: Psychometric Properties of the Fagerström Test
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: rauchfrei-info.de