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„Wahrscheinlich krebserregend" – warum Wissenschaftler der E-Zigaretten-Studie widersprechen

E-Zigaretten und Liquids sind ausschließlich für Personen ab 18 Jahren bestimmt. Nikotin kann abhängig machen.

Geprüft von Oliver Prust · Inhaber MaxVapor.de, seit 2012 auf E-Zigaretten spezialisiert · Zuletzt aktualisiert: April 2026

Kurz & Knapp: Krebsstudie zu E-Zigaretten – was Sie wissen müssen

  • Was wurde veröffentlicht: Eine qualitative Risikobewertung australischer Forscher, erschienen im Fachjournal Carcinogenesis (März 2026)
  • Kernergebnis: E-Zigaretten seien „wahrscheinlich krebserregend" – basierend auf Labor-, Biomarker- und Tierdaten
  • Keine neue Evidenz: Kein einziger Fall von Krebs bei Menschen, der ursächlich auf E-Zigaretten zurückgeführt wurde
  • Wissenschaftliche Kritik: Mehrere Professoren (UCL, Queen Mary, Cambridge) kritisieren Methodik und Schlussfolgerungen
  • Vergleich zum Rauchen: E-Zigaretten setzen Nutzer nachweislich nur einem Bruchteil der Schadstoffe aus, die beim Verbrennen von Tabak entstehen
  • Fehlende Langzeitdaten: E-Zigaretten sind erst seit ca. 2010 breit verfügbar – für Krebsrisiken wären 20–40 Jahre Beobachtung nötig
  • Fazit: Das BfTG und internationale Experten warnen vor pauschalen Krebswarnungen, die Raucher vom Umstieg abhalten könnten
Wissenschaftler widersprechen der Krebsstudie zu E-Zigaretten – Kritik und Fakten
Neue Krebsstudie zu E-Zigaretten: Was die Forschung wirklich sagt und wo die Kritik ansetzt.

Ende März 2026 ging eine Schlagzeile durch die Medien, die mir sofort den Tag verdorben hat: „E-Zigaretten sind wahrscheinlich krebserregend." Zack, fertig, keine Einschränkungen, keine Erklärung – einfach draufhauen. Wer nur die Überschriften gelesen hat, konnte schnell den Eindruck gewinnen, das Thema sei nun endgültig entschieden. Ich bekomme seitdem täglich Anfragen von verunsicherten Dampfern und Umsteigern, die sich fragen, ob sie ihre E-Zigarette jetzt besser in die Schublade legen sollten. Das hat mich geärgert – und deshalb habe ich mir die Studie, die hinter den Schlagzeilen steckt, selbst angeschaut. Zusammen mit den Reaktionen internationaler Wissenschaftler und der Stellungnahme des BfTG, dem Branchenverband, in dem ich seit Jahren Mitglied bin.

Eines vorweg: Ich bin kein Wissenschaftler, und mein Ziel hier ist auch keine Verharmlosung. E-Zigaretten sind keine Bonbons, Nikotin macht abhängig, das sage ich meinen Kunden seit 14 Jahren. Mir geht es darum, Ihnen eine Einordnung zu geben, die über die Schlagzeile hinausgeht. Denn wenn man sich die Studie tatsächlich durchliest – und vor allem die Reaktionen der Fachwelt darauf –, dann zeigt sich ein ganz anderes Bild als das, was in den Nachrichten gelaufen ist. Und die Kritik kommt nicht von der Industrie, sondern von unabhängigen Professoren großer Universitäten.

Was sagt die Studie konkret?

Die Arbeit, um die es geht, wurde am 30. März 2026 im Fachjournal Carcinogenesis (Oxford University Press) veröffentlicht. Geschrieben hat sie ein Team um den australischen Forscher Bernard W. Stewart von der University of New South Wales. Der Titel lautet „The carcinogenicity of e-cigarettes: a qualitative risk assessment" – und genau dieses Wort „qualitative" sollte man sich merken. Denn es handelt sich eben nicht um eine neue klinische Studie, in der Nutzer von E-Zigaretten und Nicht-Dampfer über Jahre beobachtet und verglichen wurden. Die Forscher haben stattdessen vorhandene Studien seit 2017 zusammengetragen und daraus eine Einschätzung abgeleitet. Klingt schon anders als „Beweis", oder?

Ihr Fazit: E-Zigaretten seien „wahrscheinlich krebserregend" und könnten möglicherweise Lungen- sowie Mundhöhlenkrebs verursachen. Die Forscher stützen sich dabei auf drei Dinge: Laborexperimente, bei denen Zellen E-Zigaretten-Aerosol ausgesetzt wurden; Biomarker-Studien, die erhöhte Werte bestimmter Schadstoffe bei Dampfern gemessen haben; und Tierversuche mit Nagetieren. Was die Studie aber nicht liefert – und das ist der springende Punkt –, ist ein einziger dokumentierter Fall, bei dem ein Mensch nachweislich durch das Dampfen allein Krebs bekommen hat. Nicht einer.

Dazu kommt ein Problem, das eigentlich auf der Hand liegt: Lungenkrebs tritt typischerweise erst 20 bis 40 Jahre nach dem ersten Kontakt mit den auslösenden Schadstoffen auf. E-Zigaretten sind aber erst seit etwa 2010 auf dem Markt. Die Zeit, um verlässliche Langzeitdaten zu sammeln, ist schlicht noch nicht vergangen – das räumen sogar die Autoren selbst ein. Prof. Martin Widschwendter von der Universität Innsbruck hat diesen Punkt in der Apotheken Umschau aufgegriffen. Er weist auch darauf hin, dass in den bisherigen Untersuchungen bis zu 97 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer vorher Tabak geraucht haben. Die Folgen von jahrzehntelangem Rauchen und die Auswirkungen des Dampfens lassen sich da kaum sauber trennen.

Heißt das, E-Zigaretten sind harmlos? Nein, das sage ich nie. Aber die Schlagzeile „E-Zigaretten sind krebserregend" verkürzt die Datenlage auf eine Weise, die Rauchern schadet, die über einen Umstieg nachdenken. Die Studie beschreibt Verdachtsmomente und mögliche Risikopfade – keine gesicherten Ergebnisse beim Menschen.

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Die wissenschaftliche Kritik an der Studie

Was mich beim Lesen am meisten überrascht hat: Die Reaktionen aus der Fachwelt kamen schnell und fielen ungewöhnlich hart aus. Das Science Media Centre in London – eine anerkannte Stelle, die Journalisten unabhängige Experteneinschätzungen liefert – hat gleich mehrere Professoren zur Arbeit befragt. Deren Urteile reichen von „methodisch problematisch" bis „irreführend". Ich fasse Ihnen die Kernpunkte zusammen – denn sie erklären, warum man diese Studie nicht einfach als Beweis nehmen kann.

Keine systematische Übersichtsarbeit

Prof. Lion Shahab vom University College London wird besonders konkret in seiner Kritik. Er bemängelt, dass die Autoren nicht offengelegt haben, nach welchen Regeln sie ihre Quellen ausgewählt haben – was rein durfte und was nicht. Es gab kein vorab registriertes Protokoll, keine transparenten Kriterien – nichts von dem, was man in der Wissenschaft erwartet, wenn jemand behauptet, den Stand der Forschung zusammenzufassen. Ohne solche Spielregeln, so Shahab, habe die Arbeit nur „geringe Glaubwürdigkeit" und spiegele eher die persönliche Lesart der Autoren wider als eine nüchterne Beurteilung der Datenlage. Dr. Gavin Stewart von der Newcastle University sieht das genauso und stellt fest: Die Arbeit erfüllt keinen der methodischen Standards, die internationale Organisationen wie Cochrane oder Campbell für solche Überprüfungen fordern.

Die Dosis macht das Gift

Prof. Peter Hajek von der Queen Mary University of London bringt den wohl wichtigsten Punkt: Die Autoren haben sich bewusst dafür entschieden, E-Zigaretten nicht mit Tabakzigaretten zu vergleichen. Klingt nach einer Nebensächlichkeit, ist es aber nicht. Denn dadurch wird jede noch so geringe Spur eines verdächtigen Stoffes als „krebserregend" verkauft – egal, in welcher Menge er vorkommt. Moderne Analyseverfahren können winzige Mengen nachweisen, die für die Gesundheit keinerlei Bedeutung haben. Ob ein Stoff giftig ist, hängt immer von der Dosis ab – das wusste schon Paracelsus. Einige der zitierten Studien haben Liquid bei extrem hohen Temperaturen erhitzt, die beim normalen Gebrauch einer E-Zigarette schlicht nicht vorkommen. Das ist ungefähr so, als würde man ein Steak bei 600 Grad verbrennen und dann behaupten, Grillen verursache Krebs.

Tierversuche unter unrealistischen Bedingungen

Das ist ein Punkt, der mich besonders stört: Mehrere der in der Studie zitierten Ergebnisse stammen aus Tierexperimenten, bei denen Mäuse und Ratten chronisch, unfreiwillig und mit extrem hohen Nikotindosen vollgepumpt wurden. Prof. Hajek sagt dazu klipp und klar: Solche Versuchsbedingungen haben mit der freiwilligen Nutzung von nikotinhaltigen Liquids durch Menschen nichts zu tun. Man kann nicht gestresste Labortiere mit Nikotin überfluten und dann so tun, als ob das irgendetwas über Ihren Alltag mit der E-Zigarette aussagt. Prof. Shahab ergänzt, dass die Studie sogar Einzelfall-Berichte von Dampfern mit Krebsdiagnosen heranzieht, obwohl andere Wissenschaftler solche Einzelfälle längst als nicht aussagekräftig eingestuft haben.

Nikotin ist kein anerkanntes Karzinogen

Dann ist da noch die Sache mit dem Nikotin. Die Studie legt nahe, Nikotin könne Krebs verursachen. Das ist eine Behauptung, die ich in der Beratung oft höre – und die falsch ist. Nikotin ist von der IARC nicht als Karzinogen eingestuft. Ja, Nikotin macht abhängig, ja, es ist nicht unbedenklich – aber es mit den krebserregenden Verbrennungsprodukten von Tabak gleichzusetzen, ist wissenschaftlich schlicht nicht haltbar. Prof. Shahab nennt genau das ein Paradebeispiel dafür, wie die Studie über die vorhandenen Daten hinausschießt. Dr. Stephen Burgess von der University of Cambridge fasst den Stand nüchtern zusammen: Es gebe zwar mögliche Mechanismen, über die Dampfen das Krebsrisiko theoretisch erhöhen könnte – aber keinerlei Belege dafür, dass dies beim Menschen tatsächlich passiert.

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Die Position des BfTG

Das BfTG hat am 1. April 2026 eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, und ich war erleichtert, wie klar die Aussage ist. Geschäftsführer Philip Drögemüller sagt es ohne Umschweife: Die vorliegenden Daten rechtfertigen keine pauschalen Krebswarnungen. Die Arbeit liefere keine neuen Belege für tatsächlich beobachtete Krebsfälle durch E-Zigaretten beim Menschen, sondern bündele indirekte Hinweise – und deren Interpretation werde von mehreren Wissenschaftlern offen kritisiert. Der Verband appelliert an Medien und Politik, neue Studien mit Blick auf die gesamte Forschungslage einzuordnen, statt Schlagzeilen daraus zu machen.

Mir persönlich ist dieser Punkt besonders wichtig, weil ich im Beratungsgespräch mit Umsteigern täglich erlebe, wie solche Meldungen wirken. Menschen, die seit 20 oder 30 Jahren rauchen und sich gerade durchgerungen haben, eine E-Zigarette auszuprobieren, lesen so eine Meldung und greifen am nächsten Tag wieder zur Tabakzigarette. Das ist gesundheitlich gesehen das Schlimmste, was passieren kann. Prof. Peter Hajek von der Queen Mary University bringt es auf den Punkt: Fehlinformationen bei Rauchern bergen das Risiko, sie vom Umstieg auf E-Zigaretten abzuhalten – dabei beseitige genau dieser Umstieg die Hauptursache aller rauchbedingten Erkrankungen, einschließlich Krebs.

Es geht dem BfTG – und auch mir als Fachhändler – nicht darum, Risiken des Dampfens kleinzureden. Niemand behauptet, E-Zigaretten seien risikofrei. Aber eine sachliche Bewertung ist etwas anderes als Schönreden. Die Frage sollte nie lauten „Sind E-Zigaretten sicher?", sondern immer „Wie stehen die Risiken im Vergleich zum Weiterrauchen?"

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E-Zigarette vs. Tabakzigarette: Was die Schadstoffdaten zeigen

Was in der australischen Studie komplett fehlt, ist der Vergleich mit herkömmlichen Tabakzigaretten. Und genau dieser Vergleich ist für Raucher, die über einen Umstieg aufs Dampfen nachdenken, am wichtigsten. Wer wissen will, ob die E-Zigarette eine sinnvolle Alternative ist, muss wissen, wie sich die Risiken im Vergleich zur Tabakzigarette verhalten. Mehrere unabhängige Bewertungen – unter anderem von Public Health England (heute UKHSA) und dem britischen Office for Health Improvement and Disparities – kommen seit Jahren zum selben Ergebnis: E-Zigaretten setzen ihre Nutzer spürbar geringeren Mengen von Schadstoffen aus als Tabakzigaretten.

Beim Verbrennen von Tabak entstehen über 7.000 Chemikalien, von denen mindestens 70 als krebserregend gelten. Viele der gefährlichsten Substanzen – Teer, Kohlenmonoxid, Blausäure, Benzol, Formaldehyd in relevanten Konzentrationen – sind direkte Produkte des Verbrennungsprozesses. Dieser Verbrennungsprozess fehlt bei der E-Zigarette komplett. Das Liquid wird verdampft, nicht verbrannt, und der Dampf, der dabei entsteht, enthält zwar nachweisbare Spuren potenziell schädlicher Stoffe, aber in wesentlich geringeren Konzentrationen. Eine in Tobacco Control veröffentlichte Vergleichsstudie von Stephens (2018) hat die Krebspotenz verschiedener Dampfprodukte modelliert: Die Mehrzahl der E-Zigaretten-Emissionen lag bei weniger als 1 Prozent der Krebspotenz von Tabakrauch.

Das britische Office for Health Improvement and Disparities kommt in seinem großen Forschungsbericht von 2022 – der achten unabhängigen Prüfung seit 2015 – zu einem klaren Fazit: Dampfen stellt kurz- und mittelfristig nur einen kleinen Bruchteil der Risiken des Rauchens dar. Die Biomarker-Daten zeigen, dass Dampfer gegenüber Stoffen, die mit Krebs, Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen, weit weniger belastet sind als Raucher. Gleichzeitig betont der Bericht, dass Dampfen nicht risikofrei sei – insbesondere für Personen, die nie geraucht haben. Das ist eine Haltung, die ich als Fachhändler seit Jahren vertrete.

Auch das BfR kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Im Dampf von E-Zigaretten seien geringere Mengen krebserregender Stoffe enthalten als im Tabakrauch. Trotzdem seien mit dem Konsum Risiken verbunden – Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System und Lunge sowie die Suchtgefahr durch Nikotin. Das ist keine Entwarnung, aber auch kein Grund zur Panik. Diese nüchterne Abwägung des BfR steht im Kontrast zu den verkürzten Überschriften, die auf die australische Studie folgten.

Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass eine Studie zum Thema E-Zigaretten und Krebs für Aufsehen sorgt und sich bei genauem Hinsehen als weniger belastbar herausstellt. In unserem Beitrag „Krebs durch E-Zigaretten? Studie offiziell zurückgezogen" haben wir dokumentiert, wie eine frühere, viel zitierte Arbeit wegen schwerer methodischer Fehler bei der Datenverarbeitung und statistischen Analyse zurückgezogen werden musste. Die dort enthaltenen Rohdaten zeigten, dass E-Zigaretten-Nutzer eine niedrigere Krebsrate hatten als Tabakraucher – erst nach einer fehlerhaften statistischen Bereinigung drehte sich das Bild. Diese Vorfälle belegen, wie nötig eine kritische Prüfung jeder neuen Veröffentlichung ist.

Gegenüberstellung der Schadstoffbelastung bei Tabakzigaretten und E-Zigaretten
Merkmal Tabakzigarette E-Zigarette
Verbrennung Ja (800–900 °C) Nein (Verdampfung bei ca. 200–300 °C)
Teer/Kondensat Enthalten Nicht vorhanden
Kohlenmonoxid Enthalten Nicht nachweisbar
Bekannte Karzinogene Mind. 70 Spuren einzelner Stoffe in sehr geringer Konzentration
Nikotin Ja Ja (optional, dosierbar)
Schadstoffbelastung gesamt Hoch Laut Studien ein Bruchteil der Tabakbelastung

Prof. John Britton, emeritierter Professor für Epidemiologie an der University of Nottingham, ordnet die Studie nach ihrem Erscheinen so ein: Raucher könnten weiterhin beruhigt sein, dass Dampfen weitaus weniger schädlich sei als Rauchen. Die australische Arbeit bringe keine neuen Erkenntnisse, die daran etwas ändern würden, weil sie die Belastung durch Schadstoffe gar nicht beziffert habe. Dabei sei seit fast zwei Jahrzehnten bekannt, dass E-Zigaretten-Dampf Stoffe enthalte, die Krebs begünstigen könnten – aber die Mengen seien sehr gering, und genau diese Verhältnismäßigkeit lasse die Studie komplett außen vor.

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IARC und die offizielle Einstufung

Viele Kunden fragen mich jetzt: „Sind E-Zigaretten denn nun offiziell als krebserregend eingestuft?" Die Antwort ist: Nein. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, hat E-Zigaretten bislang nicht in ihre Liste krebserregender Stoffe aufgenommen. Im November 2024 hat die IARC allerdings angekündigt, eine Bewertung von E-Zigaretten für den Zeitraum 2025–2029 mit hoher Priorität auf die Agenda zu setzen. Das heißt: In den kommenden Jahren wird die Behörde die vorhandenen Daten systematisch prüfen und erst dann – nach einem festgelegten Verfahren – eine formale Einstufung vornehmen.

Und genau da liegt ein wesentlicher Unterschied zur australischen Studie. Die IARC arbeitet mit Experten-Panels, transparenten Kriterien und nachvollziehbaren Methoden. Die Studie von Stewart und Kollegen hat das alles nicht – und genau das werfen ihr die befragten Wissenschaftler vor. Ob die IARC am Ende zu einem ähnlichen Schluss kommen wird, kann heute niemand sagen. Die WHO selbst hat im Rahmen des Welt-Nichtrauchertags 2024 die Verbreitung von E-Zigaretten unter Jugendlichen zum Thema gemacht und Bedenken beim Jugendschutz geäußert – eine offizielle Krebseinstufung steht aber weiterhin aus.

Was heißt das für Sie? Wenn Medien schreiben, E-Zigaretten seien „krebserregend", dann geben sie die Meinung einer einzelnen Forschergruppe wieder – nicht den offiziellen Stand internationaler Gesundheitsbehörden. Das kann sich in den nächsten Jahren ändern, aber Stand April 2026 gibt es diese offizielle Einstufung nicht. Solange rate ich Ihnen: Lassen Sie sich von Überschriften nicht verrückt machen und informieren Sie sich aus mehreren Quellen.

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Illegale Produkte: Das eigentliche Gesundheitsrisiko

Was in der Debatte um die Krebsstudie fast komplett untergeht, ist ein Thema, das mich als Fachhändler seit Jahren umtreibt: der Schwarzmarkt für E-Zigaretten. Die Süddeutsche Zeitung hat in einer Recherche dokumentiert, wie illegale Einweg-E-Zigaretten – oft aus China, unter Markennamen wie RandM – in großem Stil nach Deutschland gelangen und über Social Media, Kioske und dubiose Online-Shops verkauft werden. Diese Produkte entsprechen keiner TPD2-Regelung: Sie enthalten häufig mehr als die erlaubten 20 mg/ml Nikotin, verwenden nicht zugelassene Inhaltsstoffe, und niemand kontrolliert, was tatsächlich in den Liquids steckt. Wenn wir über die Risiken von E-Zigaretten reden, müssen wir wissen, von welchen Produkten wir eigentlich sprechen.

Regulierte E-Zigaretten und Liquids unterliegen strengen Vorgaben: maximale Nikotinkonzentration, Kindersicherung, Gesundheitswarnhinweise, Meldepflicht beim BVL – dazu kommt seit 2022 die Liquid-Steuer, die den legalen Markt zusätzlich reguliert. Das BfR weist darauf hin, dass gerade wegen der Produktvielfalt oft nicht bekannt sei, welche Stoffe in E-Zigaretten enthalten sind – und diese Unklarheit betrifft vor allem den unregulierten Markt. Wer seine E-Zigarette und Aromen im stationären Fachhandel oder bei seriösen Online-Händlern kauft, bekommt Produkte, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Der Kauf auf dem Schwarzmarkt ist ein Glücksspiel mit der eigenen Gesundheit – und dieser Unterschied fehlt in fast jeder Berichterstattung zur aktuellen Studie.

Ich rate meinen Kunden deshalb immer: Kaufen Sie TPD2-konforme Produkte bei einem seriösen Händler. Achten Sie auf korrekte Verpackungskennzeichnung und Gesundheitswarnhinweise. Lassen Sie die Finger von Angeboten, die zu verlockend klingen, um wahr zu sein – denn das sind sie meistens auch. Wer beim Fachhandel kauft, weiß zumindest, was in der Flasche steckt.

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Mein Fazit als Fachhändler

Ich habe mir die Originalstudie durchgelesen, mir die Expertenreaktionen angeschaut und die BfTG-Stellungnahme gelesen. Mein Eindruck: Die Schlagzeilen waren größer als die Datenlage hergibt. Die Studie von Stewart und Kollegen sammelt indirekte Hinweise darauf, dass bestimmte Stoffe im E-Zigaretten-Dampf theoretisch krebserregend sein könnten. Das ist etwas anderes als der Beweis, dass E-Zigaretten bei Menschen tatsächlich Krebs verursacht haben. Und dieser Unterschied ist keine Haarspalterei – er entscheidet darüber, ob Raucher den Mut finden, umzusteigen, oder ob sie aus Angst bei der Tabakzigarette bleiben.

Und das sage ich ganz offen: E-Zigaretten sind nicht harmlos. Nikotin macht abhängig. Wer nicht raucht, sollte auch nicht dampfen – Punkt. Aber für die Millionen von Rauchern in Deutschland, die nach einem Ausweg suchen, bleibt der Umstieg auf die E-Zigarette nach allem, was wir heute wissen, der bessere Weg. Die Belastung durch Giftstoffe sinkt massiv, das bestätigen die Daten seit Jahren. Und das sollte in der Debatte nie untergehen – auch nicht, wenn eine einzelne Studie durch die Medien wandert und dabei ihre ganzen Einschränkungen verliert.

Sobald die IARC ihre angekündigte formale Bewertung abgeschlossen hat, werde ich diesen Beitrag aktualisieren. Bis dahin gilt für mich: Quellen lesen statt Schlagzeilen glauben. Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie mich an – im Shop oder per Kontaktformular. Dafür bin ich da. Falls Sie nach einem passenden Gerät für den Umstieg suchen, schauen Sie sich unsere Pod-Systeme an, und bei Fragen zur richtigen Dosierung hilft Ihnen unser Nikotinstärke-Ratgeber weiter.

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Quellenverzeichnis

  1. Stewart BW et al.: „The carcinogenicity of e-cigarettes: a qualitative risk assessment." Carcinogenesis, Vol. 47, Issue 1, 30.03.2026. doi.org/10.1093/carcin/bgag015
  2. Science Media Centre: „Expert reaction to qualitative risk assessment on the carcinogenicity of e-cigarettes." 30.03.2026. sciencemediacentre.org
  3. Bündnis für Tabakfreien Genuss e.V. (BfTG): „Kritik an E-Zigaretten-Studie: Keine Grundlage für Krebswarnungen." 01.04.2026. tabakfreiergenuss.org
  4. Apotheken Umschau: „Studie: E-Zigaretten sind wahrscheinlich krebserregend." 30.03.2026. apotheken-umschau.de
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „E-Zigaretten – alles andere als harmlos." bfr.bund.de
  6. International Agency for Research on Cancer (IARC): „Report of the Advisory Group to Recommend Priorities for the IARC Monographs during 2025–2029." November 2024. monographs.iarc.who.int
  7. World Health Organization (WHO): „World No Tobacco Day 2024 – Protecting children from tobacco industry interference." 2024. who.int
  8. Süddeutsche Zeitung: „Chinesische E-Zigaretten: Wie Big Vapes auf dem deutschen Schwarzmarkt boomen." sueddeutsche.de
  9. Stephens WE: „Comparing the cancer potencies of emissions from vapourised nicotine products including e-cigarettes with those of tobacco smoke." Tobacco Control 2018;27:10-17. tobaccocontrol.bmj.com
  10. Office for Health Improvement and Disparities (UK): „Nicotine vaping in England: 2022 evidence update – main findings." 29.09.2022. gov.uk

Häufige Fragen zur E-Zigaretten-Krebsstudie

Wurde bewiesen, dass E-Zigaretten Krebs verursachen?

Nein. Die Studie beschreibt Hinweise aus Labor- und Tierversuchen sowie Biomarker-Daten. Kein einziger Krebsfall beim Menschen wurde ursächlich auf das Dampfen allein zurückgeführt. Mehrere Wissenschaftler kritisieren die Schlussfolgerungen als überzogen.

Sind E-Zigaretten offiziell als krebserregend eingestuft?

Nein, nicht von der IARC oder einer anderen internationalen Behörde. Die IARC plant zwar, E-Zigaretten zwischen 2025 und 2029 mit hoher Priorität zu bewerten, eine formale Einstufung liegt aber (Stand April 2026) nicht vor.

Ist Dampfen weniger schädlich als Rauchen?

Nach aktuellem Forschungsstand: ja. E-Zigaretten erzeugen keinen Verbrennungsprozess, wodurch zahlreiche besonders schädliche Stoffe gar nicht entstehen. Die Belastung durch Giftstoffe liegt laut mehreren unabhängigen Bewertungen weit unter der von Tabakzigaretten.

Warum gibt es noch keine Langzeitdaten?

E-Zigaretten sind erst seit etwa 2010 verbreitet. Lungenkrebs tritt typischerweise 20 bis 40 Jahre nach dem ersten Kontakt mit den auslösenden Schadstoffen auf. Die nötige Beobachtungszeit ist schlicht noch nicht vergangen. Zudem haben in bisherigen Studien bis zu 97 % der Teilnehmer zuvor geraucht, was die Daten zusätzlich verzerrt.

Ist Nikotin krebserregend?

Nikotin ist von der IARC nicht als Karzinogen eingestuft. Es macht abhängig und ist nicht unbedenklich, aber die Gleichsetzung mit krebserregenden Stoffen ist wissenschaftlich nicht gedeckt. Die gefährlichen Substanzen in Zigaretten entstehen vor allem durch den Verbrennungsprozess, nicht durch das Nikotin selbst.

Sollte ich als Raucher jetzt besser nicht auf E-Zigaretten umsteigen?

Im Gegenteil. Der Umstieg vom Rauchen auf die E-Zigarette senkt die Belastung durch Giftstoffe nach aktuellem Forschungsstand massiv. Mehrere Experten warnen davor, dass Meldungen wie diese Raucher davon abhalten könnten, den Umstieg zu wagen – was gesundheitlich das schlechtere Ergebnis wäre.

Worauf sollte ich beim Kauf von E-Zigaretten achten?

Kaufen Sie ausschließlich TPD2-konforme Produkte bei einem seriösen Fachhändler. Achten Sie auf korrekte Gesundheitswarnhinweise und Verpackungskennzeichnung. Vermeiden Sie Produkte vom Schwarzmarkt, aus Social-Media-Angeboten oder von unbekannten Quellen – hier ist unkontrolliert, was in den Liquids enthalten ist.

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Über den Autor

Profilbild von Oliver Prust, Gründer von MaxVapor

Oliver Prust

Gründer & Geschäftsführer, MaxVapor

MaxVapor wurde 2008 gegründet; seit 2012 mit Spezialisierung auf E-Zigaretten und Liquids. Über 14 Jahre Expertise in Produktberatung, TPD2-Compliance und technischer Beratung. Verantwortlich für Produktprüfung und Kundenkommunikation bei MaxVapor.

Qualifikation: • Unternehmensgründung 2008
• E-Zigaretten-Fachhandel seit 2012
• Fachkenntnisse TPD2-Richtlinien
• Produktschulung & Beratung
• Eingetragener Kaufmann

Erstveröffentlichung: · Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden redaktionell geprüft. Keine Gesundheitsversprechen; alle Angaben ohne Gewähr.

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