E-Zigaretten und Liquids sind ausschließlich für Personen ab 18 Jahren bestimmt. Nikotin kann abhängig machen.
Geprüft von Oliver Prust · Inhaber MaxVapor.de, seit 2012 auf E-Zigaretten spezialisiert · Zuletzt aktualisiert: Juni 2026
Kurz & Knapp: Die Südkorea-Studie zu E-Zigaretten und Lungenkrebs
- Was wurde veröffentlicht: Eine große Kohortenstudie aus Südkorea (Kim et al.), erschienen in Nature Medicine am 8. Juni 2026, mit Daten von über 4,5 Millionen ehemaligen Rauchern
- Kernergebnis: Wer nach dem Rauchstopp auf E-Zigaretten umstieg, erkrankte häufiger an Lungenkrebs (rund 1,5-fach) und starb öfter daran (rund doppelt so oft) als wer komplett auf Tabak und Nikotin verzichtete
- Keine Kausalität: Es ist eine Beobachtungsstudie – die Autoren betonen selbst, dass sich daraus kein Ursache-Wirkungs-Beweis ableiten lässt
- Wichtige Grenzen: kurzer Beobachtungszeitraum (bis 6 Jahre), kleine Fallzahlen in der Dampfer-Gruppe, Angaben aus Selbstauskünften, keine Daten zu Geräten oder Liquids
- Trotzdem ernst zu nehmen: Fachleute vom DKFZ und vom SMC halten das Grundmuster für robust – E-Zigaretten sind weniger schädlich als Rauchen, aber eben nicht harmlos
- Klarste Botschaft: Der vollständige Rauch- und Nikotinverzicht bleibt für die Lunge die beste Option
- Für Deutschland: Wegen strengerer Liquid-Regeln (TPD2) sind die Ergebnisse nicht eins zu eins übertragbar – wer umsteigt, sollte TPD2-konforme Produkte beim Fachhandel kaufen
Anfang Juni 2026 lief eine Schlagzeile durch viele Medien, bis hinein in die BILD-Zeitung: E-Zigaretten würden das Lungenkrebsrisiko nach dem Rauchstopp erhöhen. Bei mir im Laden und im Postfach ging es danach sofort los – verunsicherte Umsteiger, die seit Monaten dampfen und sich plötzlich fragen, ob sie alles falsch gemacht haben. Ein Stammkunde, der vor zwei Jahren von zwei Schachteln am Tag auf eine E-Zigarette umgestiegen ist, stand mit dem Handy in der Hand vor mir und wollte wissen, ob er jetzt besser wieder rauchen soll. Genau für solche Momente schreibe ich diese Einordnung – ruhig, mit den Originaldaten und mit den Stimmen der Fachleute, nicht mit der Überschrift.
Eines sage ich gleich vorweg, und das ist mir wichtig: Diese Studie ist kein Papiertiger, den man wegwischen kann. Sie ist in einem renommierten Fachjournal erschienen, sie ist riesig, und ernstzunehmende Wissenschaftler nehmen sie ernst. Mein Ziel ist deshalb keine Verharmlosung, sondern eine ehrliche Einordnung in beide Richtungen. Denn die Wahrheit liegt hier wie so oft nicht in der Schlagzeile und auch nicht in der Gegen-Schlagzeile, sondern in den Details – und die schauen wir uns jetzt gemeinsam an.
Was die Studie konkret untersucht hat
Die Arbeit stammt von einem Team um Yeon Wook Kim vom Seoul National University College of Medicine und wurde am 8. Juni 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht. Die Forscher haben dafür nicht ein paar hundert Menschen befragt, sondern die Gesundheitsdaten von rund 4,5 Millionen Erwachsenen mit Raucher-Vergangenheit ausgewertet. Diese Daten stammen aus dem südkoreanischen National Health Screening Program, einem staatlichen Vorsorgesystem, bei dem sich Versicherte regelmäßig untersuchen lassen. Als Ausgangspunkt diente das Jahr 2018, ergänzt um frühere Einträge ab 2012, und die Teilnehmer wurden anschließend bis Ende 2023 weiterverfolgt.
Entscheidend ist, welche Gruppen hier verglichen wurden – denn das ist der eigentliche Kern der Studie. Es ging nicht um Dampfer gegen Nie-Raucher, sondern um drei Gruppen ehemaliger oder noch aktiver Raucher: Menschen, die weiter Tabak rauchten; Menschen, die komplett mit dem Rauchen aufhörten und auch sonst auf Nikotin verzichteten; und ehemalige Raucher, die nach dem Tabakstopp regelmäßig zur E-Zigarette griffen. Die Forscher wollten herausfinden, wie sich diese Wege langfristig auf das Lungenkrebsrisiko auswirken. Mit anderen Worten: Es ging um die Frage, ob der Umstieg auf die E-Zigarette dieselben Vorteile bringt wie ein vollständiger Rauchstopp.
Damit ist auch klar, was diese Studie von vielen früheren unterscheidet. Sie gehört zu den ersten wirklich großen Langzeitbeobachtungen, die sich überhaupt an diese Frage herantrauen, statt nur Laborwerte oder einzelne Schadstoffe zu messen. Über den gesamten Zeitraum kamen mehr als 24 Millionen Personenjahre zusammen, knapp 36.000 neue Lungenkrebsfälle und über 12.800 Todesfälle durch Lungenkrebs. Das ist eine Datenmenge, an der man nicht einfach vorbeigehen kann – und genau deshalb hat die Arbeit so viel Aufmerksamkeit bekommen.
Was die Studie gefunden hat
Jetzt das Ergebnis, und ich gebe es so wieder, wie es ist, ohne Beschönigung. Im Vergleich zu den ehemaligen Rauchern, die komplett auf Tabak und Nikotin verzichteten, hatten die Umsteiger auf die E-Zigarette ein klar höheres Risiko. Konkret lag das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, rund eineinhalbmal so hoch (die Forscher geben eine adjustierte Hazard Ratio von 1,56 an), und das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ungefähr doppelt so hoch (Hazard Ratio von 2,00). Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei der Hochrisiko-Gruppe – also älteren Menschen mit langer Raucherkarriere, die ohnehin für eine Früherkennung infrage kämen. Das ist ein klares Signal, und so ehrlich muss man sein: Es spricht nicht für die Vorstellung, der Umstieg aufs Dampfen sei für die Lunge folgenlos.
Es gibt aber auch eine zweite Hälfte dieses Ergebnisses, die in vielen Berichten unterging und die ich Ihnen nicht vorenthalten will. Die Studie vergleicht die Dampfer in erster Linie mit den Komplett-Aufhörern – also mit der bestmöglichen Gruppe. Gegenüber den Menschen, die einfach weiter Tabak rauchten, schnitten die ehemaligen Raucher insgesamt weiterhin besser ab. Der vollständige Verzicht ist und bleibt der Goldstandard, aber das heißt nicht automatisch, dass Weiterrauchen die bessere Wahl wäre als der Umstieg. Genau diese Verhältnismäßigkeit ist es, die ich in der Beratung immer wieder erklären muss – und die in einer Schlagzeile schlicht keinen Platz findet.
Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit dazu: Die Forscher selbst formulieren ihren Schluss vorsichtig. Sie schreiben, dass sich aus den Daten keine Kausalität beweisen lässt, dass ihre Ergebnisse aber nahelegen, dass die E-Zigarette die schützende Wirkung eines vollständigen Rauchstopps für die Lunge abschwächen könnte. Das ist eine sorgfältig gewählte Formulierung, kein Urteilsspruch. Wer daraus „E-Zigaretten verursachen Krebs" macht, geht über das hinaus, was die Studie hergibt – und wer sie als bedeutungslos abtut, ebenfalls.
Die Grenzen der Studie
Eine so große Studie hat Gewicht, aber sie hat auch Grenzen – und die räumen die Autoren selbst ein. Der erste Punkt betrifft die Art der Untersuchung: Es ist eine Beobachtungsstudie. Sie kann zeigen, dass zwei Dinge gemeinsam auftreten, aber sie kann nicht beweisen, dass das eine das andere verursacht. Es bleibt möglich, dass die Menschen, die nach dem Rauchstopp zur E-Zigarette griffen, sich in anderen Dingen von den Komplett-Aufhörern unterschieden – etwa in der Schwere ihrer früheren Tabaksucht. Solche verborgenen Unterschiede lassen sich nie vollständig herausrechnen.
Der zweite Punkt ist der Zeitraum. Lungenkrebs entwickelt sich oft über Jahrzehnte, und der Beobachtungszeitraum dieser Studie lag bei maximal sechs Jahren. Für eine endgültige Aussage über eine Krankheit mit so langer Vorlaufzeit ist das eigentlich noch zu kurz. Dazu kommt, dass die absoluten Fallzahlen in der Dampfer-Gruppe klein waren: Trotz der gewaltigen Gesamtzahl von 4,5 Millionen Teilnehmern entfielen auf die E-Zigaretten-Nutzer nur etwa 55 Krebserkrankungen und 14 Todesfälle. Kleine Zahlen bedeuten große statistische Unsicherheit, und das zeigt sich auch in den breiten Schwankungsbereichen der Ergebnisse.
Drittens beruhen die Angaben zum Rauch- und Dampfverhalten auf Selbstauskünften, und die Studie hat nicht erfasst, welche Geräte oder welche Liquids die Teilnehmer überhaupt benutzt haben. Ob jemand ein modernes, reguliertes Pod-System mit kontrolliertem Nikotingehalt nutzte oder ein nicht zugelassenes Produkt, macht für die Schadstoffbelastung einen riesigen Unterschied – diese Information fehlt komplett. Interessant ist deshalb die Einschätzung von Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum: Sie hält das grundsätzliche Muster zwar für robust, weist aber zugleich darauf hin, dass die Studie die tatsächlichen Risiken der E-Zigarette aufgrund dieser methodischen Grenzen vermutlich eher überschätzt als unterschätzt. Für mich ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass die wahren Zahlen für moderne, regulierte Geräte näher am unteren Rand der angegebenen Spanne liegen dürften.
| Gruppe (ehemalige Raucher) | Lungenkrebs erkranken | An Lungenkrebs sterben |
|---|---|---|
| Komplett auf Tabak und Nikotin verzichtet | Referenz (niedrigstes Risiko) | Referenz (niedrigstes Risiko) |
| Nach Rauchstopp auf E-Zigarette umgestiegen | Rund 1,5-fach erhöht (Hazard Ratio 1,56) | Rund doppelt so hoch (Hazard Ratio 2,00) |
| Hochrisiko-Untergruppe (ältere Langzeitraucher), umgestiegen | Rund 1,9-fach erhöht | Rund 1,9-fach erhöht |
Wichtig zum Lesen dieser Tabelle: Die Werte beziehen sich auf den Vergleich mit dem vollständigen Verzicht, nicht mit dem Weiterrauchen. Und sie beruhen, wie beschrieben, auf vergleichsweise wenigen Krebsfällen in der Dampfer-Gruppe, weshalb die tatsächliche Spannweite groß ist. Es ist nicht das erste Mal, dass eine vielzitierte Krebsstudie zu E-Zigaretten bei genauem Hinsehen Schwächen offenbart – wie kritisch man jede einzelne Veröffentlichung prüfen muss, haben wir auch in unserem Beitrag „Krebs durch E-Zigaretten? Studie offiziell zurückgezogen" dokumentiert. Anders als jene Arbeit ist die Südkorea-Studie allerdings nicht zurückgezogen, sondern wissenschaftlich anerkannt – ihre Grenzen ändern nichts daran, dass man sie ernst nehmen muss.
Wie Fachleute die Studie einordnen
Wenn so eine Studie erscheint, befragt das Science Media Center unabhängige Fachleute, die nicht an der Arbeit beteiligt waren. Genau diese Stimmen finde ich nützlicher als jede Schlagzeile, weil sie das Ergebnis weder kleinreden noch aufbauschen. Und sie zeichnen ein recht einheitliches Bild, das sich gut zusammenfassen lässt: Die Studie ist ein ernstzunehmendes Warnsignal, aber sie verändert nicht die grundsätzliche Rangfolge der Risiken. Ich gebe ihre Einschätzungen hier in eigenen Worten wieder, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum bringt es auf einen Satz, den ich mir gemerkt habe: E-Zigaretten seien weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten, aber eben nicht harmlos. Sie betont, dass bei der E-Zigarette im Gegensatz zur Tabakzigarette keine Verbrennung stattfindet und dadurch weit weniger Schadstoffe aufgenommen werden. Gleichzeitig stützen die Ergebnisse aus ihrer Sicht die Empfehlung der deutschen Leitlinie zur Tabakentwöhnung – nämlich, dass ein vollständiger Rauchstopp die beste Option ist und sich am zuverlässigsten mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung erreichen lässt, bei Bedarf ergänzt durch Nikotinersatzprodukte oder Medikamente. Genau diese Doppelbotschaft – weniger schädlich, aber kein Freibrief – höre ich aus fast jeder seriösen Stellungnahme zu dem Thema heraus.
Der Suchtforscher Daniel Kotz vom Universitätsklinikum Düsseldorf ordnet die Daten ähnlich ein und wird in einem Punkt sehr klar: E-Zigaretten sind keine geprüften Entwöhnungsprodukte und können daher nicht pauschal zur Tabakentwöhnung empfohlen werden. Zugleich hält auch er fest, dass sich das Lungenkrebsrisiko am stärksten reduziert, wenn jemand zusätzlich zum Tabak auch auf die E-Zigarette verzichtet. Die Lungenfachärztin Natascha Sommer vom Universitätsklinikum Gießen geht noch einen Schritt weiter und liest aus den Daten ein dem Tabakrauchen ähnliches Lungenkrebsrisiko heraus – das ist die schärfste Einordnung in dieser Runde, und ich nenne sie hier bewusst, weil sie zur ehrlichen Bandbreite dazugehört. Dass die Einschätzungen so weit auseinandergehen, zeigt für mich vor allem eines: dass man mit einer einzelnen Studie vorsichtig umgehen sollte, egal in welche Richtung.
Was lerne ich daraus als Fachhändler? Dass die Fachwelt diese Studie nicht ignoriert, und das sollten wir auch nicht. Aber die zentrale Botschaft der Experten ist nicht „zurück zur Zigarette", sondern „am besten ganz weg von beidem". Niemand von ihnen empfiehlt Rauchern, die nicht aufhören können, lieber wieder zur Tabakzigarette zu greifen. Diese Unterscheidung ist für mich der wichtigste Satz dieses ganzen Beitrags – mehr dazu im Überblick über die Studienlage.
Die Position des BfTG
Auch in meinem Branchenverband, dem BfTG, wurde die Studie an uns Mitglieder eingeordnet – über einen Hinweis von Philip Drögemüller –, und ich finde diese Einordnung sachlich. Es ist keine förmliche, öffentlich veröffentlichte Stellungnahme, sondern eine verbandsinterne Mitteilung, aber sie trifft einen Punkt, der mir auch in den Originaldaten aufgefallen ist: Die Studie zeigt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen E-Zigaretten und Lungenkrebs, und die Autoren sagen das selbst. Alle untersuchten Dampfer waren zuvor Raucher, und die Studie kann nicht sauber trennen, welche Folgen auf das jahrzehntelange Rauchen zurückgehen und welche auf die spätere Nutzung der E-Zigarette. Das ist kein Taschenspielertrick des Verbandes, sondern eine Schwäche, die im Studiendesign angelegt ist.
Das BfTG nennt weitere Einschränkungen, die sich mit dem decken, was auch unabhängige Fachleute anmerken: der für eine Krebserkrankung kurze Beobachtungszeitraum, die vergleichsweise wenigen Krebsfälle in den entscheidenden Gruppen, die fehlenden Angaben zu Nutzungsdauer, Gerätetypen und Liquids sowie der Umstand, dass sich Ergebnisse aus Südkorea nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen lassen. Der Appell des Verbandes lautet, eine einzelne Studie immer im Kontext der gesamten wissenschaftlichen Evidenz zu betrachten, statt aus ihr eine Schlagzeile zu machen. Diese zeige weiterhin, dass die mit Abstand größten Risiken für Lungenkrebs vom Rauchen von Tabakzigaretten ausgehen. Das ist ein Punkt, den ich aus meiner täglichen Beratung nur bestätigen kann.
Ich teile diese Haltung, möchte aber ehrlich bleiben und sie einordnen: Das BfTG ist ein Branchenverband, also eine von mehreren Stimmen, und es betont naturgemäß die Grenzen der Studie stärker als ihre Aussagekraft. Deshalb steht diese Position in meinem Beitrag bewusst neben den unabhängigen Fachleuten und nicht über ihnen. Mein Eindruck nach dem Lesen aller Quellen: In der Sache liegen Verband und unabhängige Forschung näher beieinander, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Beide sagen, dass der vollständige Verzicht das Ziel sein sollte – und beide warnen davor, Raucher mit verkürzten Botschaften wieder in Richtung Tabakzigarette zu drängen.
Was das für Deutschland und für Umsteiger bedeutet
Ein Punkt, der mir in der deutschen Berichterstattung zu kurz kam, ist die Übertragbarkeit. Die Studie stammt aus Südkorea, und der dortige Markt funktioniert anders als der deutsche. In Deutschland und der gesamten EU gelten über die TPD2 strenge Regeln für E-Zigaretten und Liquids: maximal 20 mg/ml Nikotin, maximal 2 ml Tankvolumen bei Fertigprodukten, Kindersicherung, Warnhinweise und eine Meldepflicht der Inhaltsstoffe. Welche Produkte die koreanischen Teilnehmer benutzt haben, ist nicht erfasst – und genau deshalb lassen sich die Zahlen nicht eins zu eins auf einen regulierten Liquid-Markt wie den deutschen übertragen.
Was heißt das nun praktisch für jemanden, der bei mir im Laden steht und nicht weiß, was er tun soll? Mein ehrlicher Rat folgt der Linie der Fachleute, nicht der Schlagzeile. Wenn Sie es schaffen, ganz von Tabak und Nikotin wegzukommen, ist das nach allem, was wir wissen, der beste Weg für Ihre Lunge – ohne Wenn und Aber. Wenn Ihnen das nicht gelingt und die Alternative realistisch betrachtet das Weiterrauchen wäre, dann ist der Umstieg auf eine regulierte E-Zigarette nach aktuellem Stand immer noch die weniger schädliche Option als die Tabakzigarette. Die Studie widerspricht dem nicht – sie sagt, dass der Umstieg den Schutz eines kompletten Stopps nicht ersetzt, nicht, dass Weiterrauchen besser wäre.
Und wenn Sie dampfen, dann bitte mit Verstand. Kaufen Sie ausschließlich TPD2-konforme Produkte bei einem seriösen Fachhändler, achten Sie auf korrekte Kennzeichnung und lassen Sie die Finger vom Schwarzmarkt, wo niemand kontrolliert, was in den Liquids steckt. Wer nicht raucht und nie geraucht hat, sollte gar nicht erst anfangen – das gilt für Tabak wie für die E-Zigarette gleichermaßen. Diese Studie ist für mich vor allem eine Erinnerung daran, dass die E-Zigarette ein Werkzeug zum Wegkommen vom Rauchen ist und kein harmloser Dauerbegleiter. Falls Sie Hilfe bei der Auswahl oder der richtigen Nikotinstärke brauchen, sprechen Sie mich an.
Mein Fazit als Fachhändler
Ich habe die Originalstudie gelesen, die Experteneinschätzungen durchgearbeitet und die Stellungnahme des BfTG dazugenommen. Mein Eindruck am Ende: Diese Studie ist seriöser und gewichtiger als manche andere Krebsmeldung, die in den letzten Jahren durch die Presse ging. Sie liefert ein echtes Warnsignal, das man nicht wegdiskutieren sollte – der Umstieg auf die E-Zigarette ist offenbar kein Freifahrtschein, und der vollständige Verzicht schützt die Lunge besser. Gleichzeitig beweist sie keine Ursache, sie misst über einen kurzen Zeitraum, ihre Fallzahlen in der Dampfer-Gruppe sind klein, und sie sagt nichts über die hier in Deutschland verkauften regulierten Produkte aus.
Und das sage ich ganz offen, wie immer: E-Zigaretten sind nicht harmlos, Nikotin macht abhängig, und wer nicht raucht, sollte auch nicht dampfen. Aber für die vielen Raucher, die den kompletten Ausstieg nicht schaffen, bleibt der Umstieg weg von der Tabakzigarette nach allem, was wir heute wissen, der weniger schädliche Weg. Das Schlimmste, was diese Studie auslösen könnte, wäre, dass verunsicherte Umsteiger wieder zur Zigarette greifen. Genau davor warnen die Fachleute, und genau das erlebe ich gerade täglich im Laden – deshalb war mir dieser Beitrag wichtig.
Sobald es weitere Langzeitdaten oder eine Bewertung durch deutsche Gesundheitsbehörden gibt, aktualisiere ich diesen Beitrag. Bis dahin gilt für mich: Quellen lesen statt Schlagzeilen glauben, und im Zweifel das Gespräch suchen. Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gern über unser Kontaktformular. Und wer mehr darüber wissen möchte, was beim Umstieg im Körper passiert, findet das in unserem Ratgeber „Dampfen statt Rauchen".
Quellenverzeichnis
- Kim YW, Park EJ, Kwak KI et al.: „Electronic cigarette use after smoking cessation and lung cancer risk." Nature Medicine, online veröffentlicht am 08.06.2026. nature.com
- Nature (News): „Huge study hints at risks of switching from tobacco cigarettes to vapes." 06/2026. nature.com
- Science Media Center (SMC) Deutschland: Experteneinschätzungen zur Studie „Lungenkrebsrisiko nach Rauchentwöhnung mit E-Zigaretten." 08.06.2026. sciencemediacenter.de
- Spektrum der Wissenschaft: „Rauchentwöhnung: E-Zigaretten erhöhen das Risiko für Lungenkrebs." 06/2026. spektrum.de
- Medscape: „Nach Umstieg von Zigaretten auf E-Zigaretten bleibt Lungenkrebsrisiko höher als bei komplettem Rauchstopp." 09.06.2026. deutsch.medscape.com
- netdoktor.de: „E-Zigaretten nach dem Rauchstopp: Steigt das Lungenkrebsrisiko?" 06/2026. netdoktor.de
- zm-online: „Vape statt Rauchstopp: Lungenkrebsrisiko bleibt erhöht." 06/2026. zm-online.de
- Bündnis für Tabakfreien Genuss e.V. (BfTG): Einordnung der Studie gegenüber den Verbandsmitgliedern (Philip Drögemüller), Juni 2026 – verbandsinterne Mitteilung, nicht öffentlich abrufbar. Zum Verband: tabakfreiergenuss.org
Häufige Fragen zur Südkorea-Studie
Verursachen E-Zigaretten laut dieser Studie Krebs?
Nein, das lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die einen statistischen Zusammenhang zeigt, aber keine Ursache beweisen kann. Die Autoren betonen das ausdrücklich. Sie fanden, dass ehemalige Raucher, die auf E-Zigaretten umstiegen, häufiger an Lungenkrebs erkrankten und starben als ehemalige Raucher, die komplett auf Tabak und Nikotin verzichteten – das ist ein Warnsignal, aber kein Kausalbeweis.
Ist es laut Studie besser, weiterzurauchen statt umzusteigen?
Nein. Die Studie vergleicht die Umsteiger vor allem mit den Menschen, die komplett aufgehört haben – also mit der bestmöglichen Gruppe. Gegenüber dem Weiterrauchen schnitten die ehemaligen Raucher insgesamt weiterhin besser ab. Die Kernaussage lautet, dass der Umstieg auf die E-Zigarette den Schutz eines vollständigen Stopps nicht erreicht, nicht, dass Weiterrauchen die bessere Wahl wäre.
Wie groß ist das gefundene Risiko genau?
Im Vergleich zum vollständigen Verzicht lag das Risiko der Umsteiger, an Lungenkrebs zu erkranken, rund eineinhalbmal so hoch (Hazard Ratio 1,56), und das Risiko, daran zu sterben, etwa doppelt so hoch (Hazard Ratio 2,00). Bei älteren Langzeitrauchern war der Zusammenhang am stärksten ausgeprägt. Wichtig: Die absoluten Fallzahlen in der Dampfer-Gruppe waren mit rund 55 Erkrankungen und 14 Todesfällen klein, weshalb die statistische Unsicherheit groß ist.
Welche Schwächen hat die Studie?
Mehrere: Sie kann keine Kausalität belegen, der Beobachtungszeitraum von bis zu sechs Jahren ist für Lungenkrebs eher kurz, die Fallzahlen in der E-Zigaretten-Gruppe sind klein, die Angaben beruhen auf Selbstauskünften, und es wurde nicht erfasst, welche Geräte oder Liquids genutzt wurden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum hält das Grundmuster zwar für robust, weist aber darauf hin, dass die Risiken aufgrund dieser Grenzen eher überschätzt sein dürften.
Lassen sich die Ergebnisse auf Deutschland übertragen?
Nur eingeschränkt. Die Studie stammt aus Südkorea, und es ist nicht erfasst, welche Produkte die Teilnehmer benutzt haben. In Deutschland und der EU gelten über die TPD2 strenge Regeln, etwa maximal 20 mg/ml Nikotin und maximal 2 ml Tankvolumen bei Fertigprodukten. Diese Unterschiede bei den Inhaltsstoffen sprechen dagegen, die Zahlen eins zu eins auf den regulierten deutschen Markt zu übertragen.
Was empfehlen die Fachleute angesichts der Studie?
Übereinstimmend, dass der vollständige Verzicht auf Tabak und Nikotin für die Lunge die beste Option ist und sich am zuverlässigsten mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung erreichen lässt, bei Bedarf mit Nikotinersatzprodukten oder Medikamenten. E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als Tabakzigaretten, aber nicht als harmlos und nicht als geprüfte Entwöhnungsprodukte. Niemand der befragten Fachleute empfiehlt Rauchern, statt umzusteigen lieber weiterzurauchen.
Ich bin umgestiegen – soll ich jetzt wieder rauchen?
Nach allem, was die Studie und die Fachleute sagen, wäre die Rückkehr zur Tabakzigarette das schlechteste Ergebnis. Der beste Weg ist, ganz von Tabak und Nikotin wegzukommen. Gelingt das nicht, bleibt der Umstieg auf eine regulierte E-Zigarette nach aktuellem Stand weniger schädlich als das Weiterrauchen. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Beratungsstelle zur Tabakentwöhnung.
Über den Autor
Gründer & Geschäftsführer, MaxVapor
MaxVapor wurde 2008 gegründet; seit 2012 mit Spezialisierung auf E-Zigaretten und Liquids. Über 14 Jahre Expertise in Produktberatung, TPD2-Compliance und technischer Beratung. Mitglied im BfTG. Verantwortlich für Produktprüfung und Kundenkommunikation bei MaxVapor.
Qualifikation: • Unternehmensgründung 2008
• E-Zigaretten-Fachhandel seit 2012
• Fachkenntnisse TPD2-Richtlinien
• Mitglied im BfTG
• Eingetragener Kaufmann
Erstveröffentlichung: · Zuletzt aktualisiert: . Inhalte werden redaktionell geprüft. Keine Gesundheitsversprechen; alle Angaben ohne Gewähr.
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